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New Künstliches Fechtbuch,
Das Ist,
Ausführliche Desckription
der Freyen Adelichen und Ritterlichen Kunst
des Fechtens in den gebreuchlichsten Wehren, als Schwerdt,
Dusacken,
Rappier, Stangen und Helleparten, im fechten und mit fein gewissen zu
und abtritten aus den Lagern, auch Geschwindigkeit, benebem kurzer Erklärung
einer sehr nothwendigen Instruction, sampt viel schönen, ganz nützlichen
und zierlichen Figuren eygentlich fürgestellet: Nun aber allen und jeden
der löblichen Fechtkunst Liebhabern, zu sonderlichem gefallen in diese
kleine Form gebracht und an tag gegeben, Durch den Wolerfahrnen
und berühmten Freyfechtern
J A C O B S V T O R I V M
von Baden.
Gedruckt zu Franckfurt am Mayn durch Johann Bringern,
In Verlegung Willhelm Hoffmans.
M. DC. XII.
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Den Durchleuchtigen, hochgebornen Fürsten
und Her-
ren, Herrn Iulio Friderico, Herrn Achilli Friderico,
und Herrn
Magno Friderico, Herzogen zu Würtenberg und Leck, Grafen zu Mumpelgart,
Herrn zu Heidenheim und Oberkirch, meinen Gnädigen
Fürsten und Herren.
DUrchleuchtige, Hochgeborne
Fürsten, gnädige Herrn, E. F. G. seyen mein ganzwillig schuldige Dienst,
meines eussersten vermögens underthenig zuvor bereyt, gnädige Fürsten
und Herrn. Demnach E. F. Gn. unverborgen, das die löblich Adeliche und
Ritterliche Kunst des Fechtens ein uralte Kunst ist, auch allen und
jeden Personen, weß Stands die seyen, sehr nutzlich und dienlich, so
woll zu Erhaltung deroselben bestendiger Gesundheit, als auch zur Defension
des Leibes und Lebens, derer sich Dapffere und Mannhafte Kriegshelden,
zu allen und jeden Zeiten insonderheit befliessen, und dardurch ihre
Adeliche Mannheit zu Rettung deß gemeinen Vaterlands sichbarlich dargethan,
bewiessen, auch ewig Lob und Ruhm dardurch erlanget haben, wie solches
fürnemlich am allermeisnten auß der uralten Römer Historien Schreibern
zu ersehen. Es wirdt auch dieser ritterlichen Kunst deß Fechtens in
heiliger Göttlicher Schriften ganz
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ehrlichen
und wol gedacht, insonderheit deß newen Testaments, da der heilige, als
sonst ein hocherleuchter und außerwehlter Rüstzeug Gottes, Apostel Paulus
in der ersten Epistel an die Corinther am sechsten Capitel, einen Christlichen
Ritter und Streiter auff die Vortheil sehen heisset, so da ein Rittermässiger
Kämpffer und Streitter in gute Achtung zu nehmen pfleget. was aber obermelte
Ritterliche und Edel Fechtkunst, vor frommen und nuzen zu allen und jeden
Zeitten gebracht, ist einigen Beweisthumbs im wenigsten nich von nöthen,
dieweil es jedermenniglichen an allen Orten sehr wol bewust. Welches dann
E. F. Gn. Herrn Vorfahren Christmilter Hochlöblich seeligster Gedächtnuß,
als Fürstliche Heroische Herzer, und deß löblichen Fürstlichen Hauses
Kronen, auch befunden und erfahren haben: Darumb sie dann nächst Göttlicher
Hülff und Beystandt mit ihrer Fürstlichen Ritterlichen Dapfferkeit auch
nicht ohne Hülff dieser Adelichen Fechtkunst wider alle Feindt mit grossem
Muth und Mannheit gezogen, glücklichen obgelegen, und durch solch ihre
Heroica facta ewig Lob und Ruhm erlanget haben. Nun ist auch gleich wol
nutzlich zu bedenken daß die Ritterliche und Edel Fechtkunst erstlichen
ein sehr geringen Anfang gehabt, da man sich mit fast geringen Waffen
hat behelffen, auch defendiren müssen wie in den uralten Scribenten zu
lesen, biss man je lenger je ferner, wie auch sonst in allen andern Künsten
geschehen, kommen, und nunmehr durch die tägliche ubliche Ehrfahrung so
weit bracht, da? sich billich darüber zu verwundern. Dieweil dann Durchleuchtige
hochgeborne Fürsten und Herrn, gedachte Ritterliche und Edel Fechtkunst
von underschiedtlichen Authoren in allerhandt, als Teutscher, Lateinisch,
Italianisch und Französicher Sprachen hiebevor in Druck aussgangen, aber
dieselbe in solchen Büchern also Dunckel, daß auch einer wol beneben einem
guten Lehr und Fechtmeister auß solchen nichts gewisses kann lernen, so
hat doch in Newlichkeit ein Liebhaber dieser Ritterlichen Fechtkunst,
als nemlich Jacob Sutorius von Baden, Freyfechter, wie er sie nun von
vielen Jahren hero durch die tägliche Ubung selbert in Ehrfahrung bracht,
auß allerley Fechtbüchern, so da jemahls zu bekommen, die fürnembste und
ausserlesene Stück im Schwerdt, Dusacken, Rappier, Stangen und Helleparten,
kurz in ein fasciculum oder Büchlein zusamen getragen, mit ihren Lagern
und Tritten, zu unnd von dem Mann zu gebrau-
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chen, eygentlich beschrieben, die Jugendt, so er auff
Vniuersiteten und anders wo obgedachte Löbliche Fechtkunst gelehret,
auß gegenwertigem Büchlein, als ein Fundament, underwiesen, auch wann
schon einer ein Stück auss eim Lager vergessen, darauß gar wol wider
in pristinam memoriam reuociren können. Dieses Buch aber, demnach es
von vielen, so zu der Ritterlichen und Edel Fechtkunst Lust und Gefallen
haben, in sehr hohem Werth gehalten, und zum offtern abgeschrieben worden,
Als bin durch viel vornemme hohes und nidern Standts Personen, und der
Löblichen Adelichen Fechtkunst Liebhabern, ich zu underschiedtlichen
mahlen ersucht und gebetten worden, solche Mühe, nemlich die Stöcke
in oberzehlten Wehren, als Schwerdt, Dusacken, Rappier, Stangen und
Helleparten mit ihren gewissen Lagern in Holtz zu schneiden, an die
Handt zu nemen und in diß klein Format zu verfertigen. Wann dann ich
meinem von Gott dem Allein mögenden mir mitertheilten geringen thalent
nach, doch auff vorhergehendes vieler guthertzigen bitten und flehen,
dem gemeinen Nutzen zum besten, nach vermögen zu dienen, mich in alle
wege schuldig erkenne, hab ich diß gegenwertiges Buch mit allen zugehörigen
Stücken sampt den Lagern, wie es sich gebüret, in diess jetzo füglicher
kleine Form, auff das zierlichst, als immer müglich, in Holz de nouo
schneiden und bringen wollen, solche Mühe, Fleiss und Kosten nicht vergebens
angewendet zu haben verhoffend, weil sonderlich diß Buch also zugerichtet,
daß es nunmehr die blühendt angehende Jugendt, so zu dieser Ritterlichen
Fechtkunst Lust unnd lieb tragen, auff Unterweisung eines guten Lehr
und Fechtmeisters, gar leichtlich in kurzem auß dem Fundament hierin
lernen, jeder Zeit auff den Nothfall zu repetiren und gebrauchen mögen.
Weil aber Durchleuchtige, Hochgeborne Fürsten und Herrn, mir ganz wol
bewust, daß E. F. Gn. wie sonsten zu allen andern Heroischen Tugenden
tam in literis, quam armis, also auch zu vielgedachter Ritterlichen
unnd Edel Fechtkunst, ein besondern Lust und Gefallen tragen, und ich
selbsten darinn zweiffels ohne zum fleissigsten geübt haben, wie auch
noch, als habe hochgedachten E. F. Gn. ich in Underthenigkeit dieses
Büchlein, wiewol es nicht mein selbst eygen Arbeit, doch zu wenigsten
etwas, als die Stöcke darinn zu schneiden, zu Beförderung und Edirung
deßelben gethan, dediciren, unnd under deroselben E. F. Gn.
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Namen in offnen Truck auff mein Kosten
verfertigen, jedermann communiciren und mittheilen wöllen, der tröstlichen
Hoffnung und Zuversicht, E. F. G. solches in Gn. vermercken werden.
Gelanget demnach an E. F. Gn. mein in Underthenigkeit Hochfleissiges
Bitten und Gesinnen, dieselbe solches ihnen in Gnaden gefallen lassen,
unnd mein gnädige Fürsten und Herren seyn, auch bleiben wöllen. Dieselbe
E. F. Gn. hiemit Götllicher Protection, mich aber deroselben zu Gn.
ganz getrewlich befehlende. Datum Franckfurt am Mayn, den ersten Tag
Monats Aprilis im Jahr unsers einigen Erlösers Christi Ein Tausent,
Sechshundert und Zwölff.
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E. F. G.
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Unterthenig
gehorsamer
Wilhelm
Hoffman, Bürger
in
Franckfurt
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