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  Stand: 04.04.2004
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Jakob Sutor, 1612

Inhalt - Vorrede - Langes Schwert - Dusack - Rapier I - Rapier II - Rapier III - Stange
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New Künstliches Fechtbuch,

Das Ist,
Ausführliche Desckription
der Freyen Adelichen und Ritterlichen Kunst
des Fechtens in den gebreuchlichsten Wehren, als Schwerdt, Dusacken,
Rappier, Stangen und Helleparten, im fechten und mit fein gewissen zu und abtritten aus den Lagern, auch Geschwindigkeit, benebem kurzer Erklärung einer sehr nothwendigen Instruction, sampt viel schönen, ganz nützlichen und zierlichen Figuren eygentlich fürgestellet: Nun aber allen und jeden der löblichen Fechtkunst Liebhabern, zu sonderlichem gefallen in diese kleine Form gebracht und an tag gegeben, Durch den Wolerfahrnen
und berühmten Freyfechtern
J A C O B    S V T O R I V M
von Baden.

Gedruckt zu Franckfurt am Mayn durch Johann Bringern,
In Verlegung Willhelm Hoffmans.
M. DC. XII.

Den Durchleuchtigen, hochgebornen Fürsten und Her-
ren, Herrn Iulio Friderico, Herrn Achilli Friderico, und Herrn
Magno Friderico, Herzogen zu Würtenberg und Leck, Grafen zu Mumpelgart,
Herrn zu Heidenheim und Oberkirch, meinen Gnädigen Fürsten und Herren.

DUrchleuchtige, Hochgeborne Fürsten, gnädige Herrn, E. F. G. seyen mein ganzwillig schuldige Dienst, meines eussersten vermögens underthenig zuvor bereyt, gnädige Fürsten und Herrn. Demnach E. F. Gn. unverborgen, das die löblich Adeliche und Ritterliche Kunst des Fechtens ein uralte Kunst ist, auch allen und jeden Personen, weß Stands die seyen, sehr nutzlich und dienlich, so woll zu Erhaltung deroselben bestendiger Gesundheit, als auch zur Defension des Leibes und Lebens, derer sich Dapffere und Mannhafte Kriegshelden, zu allen und jeden Zeiten insonderheit befliessen, und dardurch ihre Adeliche Mannheit zu Rettung deß gemeinen Vaterlands sichbarlich dargethan, bewiessen, auch ewig Lob und Ruhm dardurch erlanget haben, wie solches fürnemlich am allermeisnten auß der uralten Römer Historien Schreibern zu ersehen. Es wirdt auch dieser ritterlichen Kunst deß Fechtens in heiliger Göttlicher Schriften ganz

ehrlichen und wol gedacht, insonderheit deß newen Testaments, da der heilige, als sonst ein hocherleuchter und außerwehlter Rüstzeug Gottes, Apostel Paulus in der ersten Epistel an die Corinther am sechsten Capitel, einen Christlichen Ritter und Streiter auff die Vortheil sehen heisset, so da ein Rittermässiger Kämpffer und Streitter in gute Achtung zu nehmen pfleget. was aber obermelte Ritterliche und Edel Fechtkunst, vor frommen und nuzen zu allen und jeden Zeitten gebracht, ist einigen Beweisthumbs im wenigsten nich von nöthen, dieweil es jedermenniglichen an allen Orten sehr wol bewust. Welches dann E. F. Gn. Herrn Vorfahren Christmilter Hochlöblich seeligster Gedächtnuß, als Fürstliche Heroische Herzer, und deß löblichen Fürstlichen Hauses Kronen, auch befunden und erfahren haben: Darumb sie dann nächst Göttlicher Hülff und Beystandt mit ihrer Fürstlichen Ritterlichen Dapfferkeit auch nicht ohne Hülff dieser Adelichen Fechtkunst wider alle Feindt mit grossem Muth und Mannheit gezogen, glücklichen obgelegen, und durch solch ihre Heroica facta ewig Lob und Ruhm erlanget haben. Nun ist auch gleich wol nutzlich zu bedenken daß die Ritterliche und Edel Fechtkunst erstlichen ein sehr geringen Anfang gehabt, da man sich mit fast geringen Waffen hat behelffen, auch defendiren müssen wie in den uralten Scribenten zu lesen, biss man je lenger je ferner, wie auch sonst in allen andern Künsten geschehen, kommen, und nunmehr durch die tägliche ubliche Ehrfahrung so weit bracht, da? sich billich darüber zu verwundern. Dieweil dann Durchleuchtige hochgeborne Fürsten und Herrn, gedachte Ritterliche und Edel Fechtkunst von underschiedtlichen Authoren in allerhandt, als Teutscher, Lateinisch, Italianisch und Französicher Sprachen hiebevor in Druck aussgangen, aber dieselbe in solchen Büchern also Dunckel, daß auch einer wol beneben einem guten Lehr und Fechtmeister auß solchen nichts gewisses kann lernen, so hat doch in Newlichkeit ein Liebhaber dieser Ritterlichen Fechtkunst, als nemlich Jacob Sutorius von Baden, Freyfechter, wie er sie nun von vielen Jahren hero durch die tägliche Ubung selbert in Ehrfahrung bracht, auß allerley Fechtbüchern, so da jemahls zu bekommen, die fürnembste und ausserlesene Stück im Schwerdt, Dusacken, Rappier, Stangen und Helleparten, kurz in ein fasciculum oder Büchlein zusamen getragen, mit ihren Lagern und Tritten, zu unnd von dem Mann zu gebrau-

chen, eygentlich beschrieben, die Jugendt, so er auff Vniuersiteten und anders wo obgedachte Löbliche Fechtkunst gelehret, auß gegenwertigem Büchlein, als ein Fundament, underwiesen, auch wann schon einer ein Stück auss eim Lager vergessen, darauß gar wol wider in pristinam memoriam reuociren können. Dieses Buch aber, demnach es von vielen, so zu der Ritterlichen und Edel Fechtkunst Lust und Gefallen haben, in sehr hohem Werth gehalten, und zum offtern abgeschrieben worden, Als bin durch viel vornemme hohes und nidern Standts Personen, und der Löblichen Adelichen Fechtkunst Liebhabern, ich zu underschiedtlichen mahlen ersucht und gebetten worden, solche Mühe, nemlich die Stöcke in oberzehlten Wehren, als Schwerdt, Dusacken, Rappier, Stangen und Helleparten mit ihren gewissen Lagern in Holtz zu schneiden, an die Handt zu nemen und in diß klein Format zu verfertigen. Wann dann ich meinem von Gott dem Allein mögenden mir mitertheilten geringen thalent nach, doch auff vorhergehendes vieler guthertzigen bitten und flehen, dem gemeinen Nutzen zum besten, nach vermögen zu dienen, mich in alle wege schuldig erkenne, hab ich diß gegenwertiges Buch mit allen zugehörigen Stücken sampt den Lagern, wie es sich gebüret, in diess jetzo füglicher kleine Form, auff das zierlichst, als immer müglich, in Holz de nouo schneiden und bringen wollen, solche Mühe, Fleiss und Kosten nicht vergebens angewendet zu haben verhoffend, weil sonderlich diß Buch also zugerichtet, daß es nunmehr die blühendt angehende Jugendt, so zu dieser Ritterlichen Fechtkunst Lust unnd lieb tragen, auff Unterweisung eines guten Lehr und Fechtmeisters, gar leichtlich in kurzem auß dem Fundament hierin lernen, jeder Zeit auff den Nothfall zu repetiren und gebrauchen mögen. Weil aber Durchleuchtige, Hochgeborne Fürsten und Herrn, mir ganz wol bewust, daß E. F. Gn. wie sonsten zu allen andern Heroischen Tugenden tam in literis, quam armis, also auch zu vielgedachter Ritterlichen unnd Edel Fechtkunst, ein besondern Lust und Gefallen tragen, und ich selbsten darinn zweiffels ohne zum fleissigsten geübt haben, wie auch noch, als habe hochgedachten E. F. Gn. ich in Underthenigkeit dieses Büchlein, wiewol es nicht mein selbst eygen Arbeit, doch zu wenigsten etwas, als die Stöcke darinn zu schneiden, zu Beförderung und Edirung deßelben gethan, dediciren, unnd under deroselben E. F. Gn.

Namen in offnen Truck auff mein Kosten verfertigen, jedermann communiciren und mittheilen wöllen, der tröstlichen Hoffnung und Zuversicht, E. F. G. solches in Gn. vermercken werden.   Gelanget demnach an E. F. Gn. mein in Underthenigkeit Hochfleissiges Bitten und Gesinnen, dieselbe solches ihnen in Gnaden gefallen lassen, unnd mein gnädige Fürsten und Herren seyn, auch bleiben wöllen. Dieselbe E. F. Gn. hiemit Götllicher Protection, mich aber deroselben zu Gn. ganz getrewlich befehlende. Datum Franckfurt am Mayn, den ersten Tag Monats Aprilis im Jahr unsers einigen Erlösers Christi Ein Tausent, Sechshundert und Zwölff.

 

E. F. G.


Unterthenig
    gehorsamer

        Wilhelm Hoffman, Bürger
                      in Franckfurt

1

Erster Theil

Von Innhalt deß langen Schwerts, auch in was Ordnung
solches beschrieben wirdt, sampt dero Lägern in demselbigen.

Warumb Spielleuth gehen vorn an,
    Wann Fechter wöllen Schulen han,
Drumb, das sie ihn machen ein Muth,
    So einer mit andern fechten tuth,
Umb Gelt, oder ein schönes Kränzlein,
    Wie der Knab tregt am Schwerdte seyn.

In dem Fechter Gelt nemmen ein,
    Under dens trincken wir gern Wein,
Fordern darzu auch unsern Lohn,
    Lahn sorgen, wo sie es her han,
Derowegen ohn Lohn und Trunck,
    Wie ihnen spielen selten genung

.

2

Beschreibung vom Schwertfechten in so wol deß
Manns, als Schwerts Abtheilung, und von deßen
Lägern oder Huten.

ERstlich, die Theilung deß fechten im langen Schwerdt ist der Anfang, Mittel und End. Der Anfang ist das zufechten, so einer gegen den Mann, welchen er vor sich hat, zuficht: und das zufechten geschicht anfänglich auß oder von den Lägern mit Haüwen, als die Hauptläger und Beyläger. Der Hauptläger seind vier, als die Oberhut, Ochs, Olber und der Pflug. Die Beyläger sind Zornhut, Langord, Brechfenster, Einhorn, Schranckhut, Schlüssel, Eisenport, Wechsel, Nebenhut und Hengetort. Der Haw im Schwerd sind Principal oder Haupthaw, Beyhaw und Meisterhaw. Die Principal haw sindt Ober, Under, Mittel und Zornhaw. Beyhaw sind, Kurtz, Schiel, Glietz, Krumb, Brell, Wind, Blend, Kron, Knichel, Sturtz, unnd Wechselhaw. Meisterhaw sind, Zorn, Krumm, Zwerch und Scheittelhaw. Das Mittel ist die Handtarbeit, wann einer im Bundt seinem

3

Gegentheil im fechten mit aller Geschwindigkeit zusetzet. Die bey oder Handtarbeit im mittel ist die gröste Kunst, und allerley Geschwindigkeit in anbinden deß Schwerts, winden, wechseln, nachreysen, verführen, schneiden, duplieren, ablauffen, umbschlagen, schlaudern, vorschieben, zucken, rucken, absetzen, ringen, einlauffen, verstellen, werffen und nachdringen. Hieher gehört auch die Blössunge, so da vierley, und die vier Hauptläger sind, in Außtheilung deß Mann und Schwerts, wie dann auch das recht stehen und tretten. Das Ende ist der Abzug, wie sich ein Fechter von seinem Gegenpart ohn Schaden hinweg und abhawen möge. Deß Schwerts stücke oder theil sind der Knopff, Ort, Kreutz, Gefeß, Hefft, Bundt, und die Klinge. Der Klinge theilung ist die Stärcke, Schweche, kurtz und lange Schneiden, das ist vorder und hinder. Deß Schwerts stärcke ist das theil von dem Kreutz oder Hefft biß mitten in die Klinge. Die Schweche geht von der mitten biß an das Ort oder Ende des Schwerts. Die lange Schneidt ist die volle Wiederschneidt von den Fingern hinauß gerad gegen dem Wiederpart. Die kurtze oder halbe Schneiden ist die (man nennt es auch deß Schwerts Rucke) so gegen oder zwischen dem Daumen gegen dem Fechter gekehret. Ferner deß Schwerts theilung ist viererley. Der erste Theil ist das Hefft, oder Bindt, als Kreutz, Knopf zum ringen, einlaufen, greiffen, werffen, und anderm mehr. Der ander Theil ist die Stärcke zum schneiden, winden, trucken und was davon herrühret. Der dritte ist das Mittel auß der Stärck und Schweche umb deß Schwerts halben Theil herrühret. Der vierdte Theil ist die Schweche zum Durchwechseln, schnellen, schlaudern und was mehr darauß herrühret.   Der Mann wird in das Ober und Under, und der jedes in das Recht und Linck abgetheilet, wie aus der Figur zur rechten Seite zuersehen. Nach deß Manns Haupt zu fechten, bedeut das ober die Scheittel deß Kopffs, und das under den Haltz und Knien zu beyden seiten.   Endlich die Läger oder Hut sindt ein nothwendige zierliche, auch geschickliche Stellung unnd Geberde deß ganzen Leibs mit dem Schwerdt, und werden in Ober, Under, Recht und Linck getheilt. Auß und von den Lägern entspringt das Fechten, Anfang, Mittel und Ende.

4

DEr Mann zur linken Seiten liegt im Läger deß Ochsens, daß da ist der Obertheil am Mann, und zweyerley, der Rechte und Lincke. Im rechten Ochsen stehe mit deinem Lincken Fuß vor, halt das Schwert mit dem Hefft neben deinem Haupt zur rechten Seiten in der höhe, daß dein vorder Ort dem Mann gegen dem Gesicht stehe. Im Linken Ochsen stehe mit deinem rechten Fuß vor, halt das Schwert mit dem Hefft neben deinem Haupt zur lincken Seiten in der Höhe, etc.
        Der Mann zur rechten Seiten liegt im Lager deß Pflugs, daß da ist deß Mannes Undertheil, auch zweyerley, der Rechte und Lincke, und ist nur ein Stich von unden auff. Im rechten Pflug stehe mit deinem rechten Fuß vor, halt das Schwert mit dem Hefft neben deinem vorgesetzten Knie, wende die Spitz oder den Ort dem Gegenpart in das Gesicht, als wollest du ihn von unden auffstechen. Im lincken Pflug stehe mit deinem lincken Fuß vor etc., und verhalte dich, wie im rechten.

5

DAs Bildt zur lincken Handt liegt im Läger, genannt die Oberhuth, also: Stehe mit dem lincken Fuß vor, halt das Schwert hoch uber deinem Kopff, damit das Ort gerad uber sich stehe.
     Das Bildt zur rechten liegt im Lager, genannt der Olber, also: Stehe mit dem lincken Fuß vor, halt das Schwert mit dem Ort vor dich aussgestreckt auff die Erden vor dein vorgestzten Fuß, damit die kurtze Schneidt oben, und die lange Schneiden unden stehe.


6

DEr Mann zur lincken liegt im Läger, genannt die Schranckhut, also: Stehe mit dem lincken Fuß vor, halt das Schwerdt mit geschrenckten Händen, mit dem Ort vor dir auff die Erden.   Der Mann zur rechten liegt im Läger, genannnt der Hangetort, also: Stehe mit dem rechten Fuß vor, halt das Schwerdt mit außgestreckten Armen vor dir, damit die Klinge etwas unter sich gegen der Erden hange.



7


DAs Bildt zur rechten liegt im Läger, genannte der Prellhaw, ist doppel und einfach. Der einfach Prellhaw ist, so Gegentheil auff dich von oben hero hawet, dann begegne seinem Streich mit einer Schwerch, so baldt es anrühret, so zeug das Schwerdt umb dein Kopff, schlag von deiner lincken mit außwendiger letzter Flech zu seinem Ohr, daß das Schwerdt wider zurück abprellt, im abprellenten Schwung zuck es wider umb dein Haupt, hawe mit der zwerch zur lincken zu.  Das Bildt zur rechten liegt im Lager, genannt das Hangetort, also: Stehe mit deinem rechten Fuße vor, halt dein Schwerdt mit aussgetreckten Armen vor dir ober deinem Gesicht, daß das Schwerdt etwas under sich gegen der Erden hange.

8

DAs Bildt zur Lincken liegt im Läger, genannt der Schielhaw, also: Lege dich in die Oberhut oder Zornhut, mit dem lincken Fuß vor, hawet dein Gegenpart auff dich, so hawe auch hingegen, doch im Streich verwendt dein kutze Schneiden gegen seinem Streich, schlag mit ebichter Hand zugleich mit ihme hinein, dritt mit deinem rechten Fuß auff sein lincke Seiten, doch nim auch das Haupt zugleich geschwindt mit.


9


DAs Bildt zur rechten liegt in der Hut oder Läger, genannte der Wechsel, also: Stehe mit deinem rechten Fuß vor, halt dein Schwerdt mit dem Orth, oder Schweche auff der Erden neben dir zu der rechten Seiten außgestreckt, daß die kurtze Schneide gegen dem Mann stehet.

     Das Bildt zur lincken liegt im Schlüssel, also: Stehe mit deinem lincken Fuß vor, halt dein Schwerdt mit dem Hefft und uberschlagen Henden creützweiß vor deiner Brust, das die kurtz Schneide auff dem lincken Arm liege, und das Ort gegen deß Manns Gesicht stehe

.

10

DAs Bildt zur rechten liegt im verkehren, also: Binde deinem Wiederpart gegen seiner lincken an sein Schwerdt, im anrühren stodd das Haupt under deinem rechten Arm durch, entziehe ihm zugleich dein Haupt wol auss dem Streich gegen deiner rechten, trucke dann sein Schwert oder Arm mit geschrenckten Henden, vor dir under sich, damit du ihn zwingest, daß er nicht mehr arbeiten kan, dir aber machstu platz genug zu arbeiten.
      Das Bildt zur lincken liegt im Zwirchhaw also: Wann du mit einem von oben anbindest, oder zugleich mit ihm einhawest, so merck, ob er mit der zwirch wölle umbschlagen, so kommen ihm zuvor mit der Zwirch under seinem Schwerdt an sein Hals.


11

DAs Bildt zur lincken liegt in der Hut deß langen Orts also: Stehe mit deinem lincken Fuß vor, halt dein Wehr mit außgestreckten Armen lang vor deinem Gesicht, daß dein vorder Ort dem Wiederpart gegen seinem Gesicht stehe.
     So du dich nun durch daß auffstreichen erholet, so tritte und hawe von deiner rechten hoch oben herein gegen seinem lincken Ohr, so bald er dann nachtrucket, so laß geschwindt dein Schwerdt mit der halben Schneiden neben seiner lincken under sich sinken, und rück damit dein Haupt und Hefft uber sich, hawe ihme behend mit kurtzer Schneiden zu seinem rechten Ohr, also daß die Hend in solchem Hawe kreutzweiss kommen.



12

WEnn du im zufechten in die Oberhut kommest, so laß das Schwerdt vor dir under sich sinken gegen deiner lincken Seiten, zucke umb dein Kopff, tritte und haw einen uberzwerch Mittelhaw mit langer Schneiden gegen seiner lincken zu seinem Halß, oder Schlaff, so balt er rühret, so zug wider umb den Kopff, haw den andern uberzwerch Mittelhaw von deiner lincken gegen seiner rechten auch dem Halß zu, so balt es rühret, so haw den tritten ein hohen Streich mit langer Schneiden gerad von oben herab. Diese drey Streich müssen gar behend auffeinander geschehen, Hastu dann mehr platz, so erhebe dein Haupt gegen deiner lincken uber sich, zug also umb den Kopff, nim mit der Flech oder kurtze Schneiden neben deiner lincken von unden durch seine rechte gegen deiner rechten in einem Riß uber sich auss, daß dein Schwerdt in der Lufft wieder umbfliehe, haw mit halber Schneiden von oben nieder mir geschrenckten Henden neben seinem rechten Ohr fürüber fehl, im vorüberlauffen haw mit kutzer Schneiden ein Zornhaw zu seiner lincken Seiten nach, und also hawestu dich von ihme hinweg.

13

DAs Bildt zur lincken liegt im Läger, genannt die Zornhut, also: Stehe mit deinem lincken Fuß vor, halt dein Schwerdt auff der rechten Achseln, also, daß das Schwerdt hinder sich herab zu einem gefasten Streich hanget, brauche ferrner allhie alle Stück aus der Hut deß Ochsens doch mit ungleichen geberdten und Verführung deß Manns.
     Hawet dein Gegenpart von oben auff dich, so tritt und haw ihm von deiner rechten mit einem uberzwerch Mittelhaw sein herfliehenden Streich mit langer Schneiden von dir hinweg durch, daß dir dein Schwerdt widerumb fliehe mit halber Schneiden gegen seinem lincken Ohr, neben dem lass wider ablauffen, zug alßbaldt von deiner rechten zu deiner lincken wider umb den Kopff, tritt und schlage ihme mit der Flech von deiner linken zu seinem rechten Ohr uberzwerch durch die mittel Linien.

14

SO bald dein Gegentheil im zufechten sein Schwerdt zur Arbeit in die Lufft bringet, so stelle dich in den rechten Ochsen (merk, wie mann den doppeln Prellhaw machen muß) zucke das Schwerdt umb dein Haupt, haw mit inwendiger Fleche von deiner rechten strack wieder sein Schwerdt, daß dir dein Knopff im Schlag unden an die Spindel rühre, Im Streich aber tritt mit deinem rechten Fuß wol umb seinen Lincken, so bald es rühret, so rücke es uber sich, reiß indeß gegen der lincken Seiten gleich mit auß, schlag behend außwendig mit ebichter Hand widerumb zu derselben blösse hinein, als mit letzter Fleche.
     Item, kanstu dein Gegentheil im Zugang auss dem Ochsen erlangen, so zug dein Schwerdt umb dein Kopff, schlag mit außwendiger Flech von deiner rechten strack gerad uberzwerch zu seinem lincken Ohr, dann zug wider behendt umb dein Kopff, schlag mit außwendiger Flech von der rechten Seiten auch uberzwerch hergegen, nach diesen beyden Hawen fechte, was dich gut düncket.

15

BIndet dir einer mit außgestrecktem Schwerdt an dein Schwerdt, merck so bald sie anrühren, so wechsel behend unden durch, schnell ihm die Schwech flechlingen von der andern Seiten zu seinem Ohr etc, auß diesem folgen viel schöner Stück, denck ihnen nach.
     Hawet dir einer im zufechten von unden, so hawe ihm oben auff sein Schwerdt, sehe das du ihn mit der Zwirch zu voran under sein Klingen kommest, wo er dir aber mit der Zwirch under die deine kommen were, so laß dein Schwerdt wol uber seines abhangen, trucke die also mit deinem Schildt undersich von dir, kanst ihn also hinder seinem Schwerdt mit halber Schneiden sein Haupt erlangen.



16

ZWircht dir einer von unden, das du mit der zwirch under sein Schwerdt nit kommen kanst, so fange sein Zwirch mit fürschieben an dein Schilt, stoss dein Knopff oberhalb deinem rechten Arm wol von dir, wende ihm die langen Schneide aussen uber seinem Schwerdt von unden auff zum Kopff, etc.      Item, wann dir einer ein Schielhaw gegen deinem langen haw herrühret, so blösset er sein rechte Seiten, lass ihn derowegen an dein Schwerdt nicht kommen, sonder wechsel unden durch, haw ihme zu seiner rechten in dem durchfahren nach von deiner lincken lang hinein.



17

WEnn dein Wiederpart im zufechten für dir auffgehet, so tritt und haw von deiner lincken mit kurtzer Schneiden und geschrenckten Henden zu oder uber den rechten Arm, in diesem Krumbhaw tritt wol zu ihm, verkehr dein Schwerdt und reiss under sich auss auff dein rechte Seiten, Arbeitet er uber sich mit den Armen, also daß du ihn nit under sich bringen kanst, so fahr mit dem Knopff von inwendig zwischen sein beyde Arm, lass dein lincke Hand vom Heffte, greiffe darmit deines Schwerts Klingen und reiß uber sich auss. Diess breche also, daß die lincke Hand ledig, also daß er vergeblich aussreist, indem fahre seinem uber sich rucken nach mit dem Schniedt auff sein Arm, laß ihn nicht ledig noch zu einiger Arbeit ferner kommen.



18

WAnn dich einer mit seinem Schwerdt onuersehens underlauffen hat, also daß ihr beyde gar nahe zusammen kommet, so wirff dein Schwerdt hinder sich von dir, auch bucke dich eilends vor im under sich, und ergreiffe ihme mit beyden Händen, sein beide Bein, zucke an dich, so felt er auff den Rucken.



19

WAnn du und dein Gegentheil durch einlauffen so nahe zusammen kommen seydt, also daß es zu ringen gerathen muss, so tritt mit dem rechten Fuß zwischen sein beide Bein, lass die lincke Hand vom Schwerdt, und greiff mit der rechten Hand sampt dem Schwerdt under seinen rechten Arm durch aussen umb sein Leib, und mit der lincken Hand ergreiffe ihn von inwendig durch sein rechten Fuß, je niderer, je besser, sihe daß du mit deinem rechten Fuß zwischen sein beyde Bein wol durch getretten seyest, auff daß du mit demselben mit widersperren und außrucken dem Wurff zu hülff kommen könnest, erhabe ihn also in einem Schwung, wirff ihn hinder dir auff seyn Kopff.



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