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Jakob Sutor, 1612
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Dritter Theil.
Vom Inhalt deß Fechtens im Rappier, Dolchen und Rappier,
oder mit zweyen Rappieren zugleich, auch in was Ordnung
solche beschrieben wirdt, sampt der Lägern und
Huten in denselbigen.
DEr Mann im Rappier wird
mit dreyen auffrechten Linien von oben herab bis unden hinauß
zu den Füssen abgetheilet also: Die erste auffrechte Lini gehet
bey der rechten Achsel an der rechten Seiten herab biß auff den
rechten Fuß: Die ander auffrechte Lini gehet in der mitte deß
Haupts, oben an dem Scheittel des Kopffs an der under sich uber die
Brust und gantzen Leib zwischen beyden Beinen hinunder bis zu den Füssen:
Die dritte auffrechte Lini gehet bey der lincken Achseln an der lincken
Seitten herab biß auff den lincken Fuß.
Zum andern so wirdt der Mann im Rappier auch mit dreyen
Mittel oder oberzwerch Linien in drey theil abgetheilet und underschieden
also: Die
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erste mittel Lini gehet von dem rechten Ohr oberzwerch
durch das Gesicht bis zu dem lincken Ohr: Die ander Mittel Lini gehet
von der rechten deß Leibs under der Brust in der weiche uber zwerch
deß Bauchs biß zur lincken Seiten. Die dritte Mittel lini
geht von dem rechten Knie an, uberzwerch biß zu dem lincken Knie
hinauß.
Diese theilung deß Mans im Rappier dienet dir darzu, daß
du dich nach solcher mit deß Leibs Erwegungen zu deinen haewen,
entweder nach dem obern oder undern Leib gerichtet, underschiedlichen
anzustellen wissest, dann wann du dein Haewe von oben, oberzwerch oder
von von unden gegen deines Widerparts obern theil herführest, so
mustu mit deinem Leib auch auffrecht und hoch bleiben, damit dein Achsel
deiner lenge nach, deß Mans Obertheil, nach welchem du hawest
oder stichest, gleich stehe, Hergegen ein anders ist es mit den haewen,
so du gegen seinem underleib zuführest, dann je niederer du hawest,
je mehr du mit deinem obern Leib nider gesenckt kommen solt, das mit
tretten zu wegen bracht wirdt, sonsten verkürzestu du entweder
deine haewe selbsten, oder gibest dich an deinem Leib zu einem Haw oder
Stich anderwerts bloß.
Der Leger im Rappier sind fünff, als die Oberhut zur rechten
und lincken sampt dem Ochsen, Underhut zur rechten und lincken, Eisenport,
Pflug und Langort.
Die bey und Nebenläger sind der Schedelhaw oder Oberhaw, Dempffhaw,
Schielhaw, hüffthaw, Rundstreich, Doppel Rundtstreich, Halßhaw,
Füßhaw, Mittelhaw, Handhaw, Doppelhaw.

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Der Oberhaw schlims wird
im Rappier genant der Zornhaw oder Wehrtstreich. Allhie mercke, wie
du solst zween schlime Zornhaw hoch oder nider, von beyden Seitten durch
die zwey Kreuz: Doch lich einfach von einer Seitten: mit ihren Tritten
lernen, zierlich und lang von dir sein schnidtsweiß mit gezogenen
Häwen, vollführen und hawen. Erstlich einfach von einer Seitten
fahet die erste Lini an, auff seiner lincken Achseln nahe dem Halß,
streicht ferner uber das Obertheil seiner Brust, und endet sich under
seinem rechten Arm. Die ander Lini hebet an oberhalb seiner lincken
Hüfft, und durchstreichet schlims seinen Bauch, endet sich im anfang
seines rechten Fuß. Die dritte Lini fehet an der dicke seines
lincken Schenkels, endet sich auff der andern Seiten bey seinem lincken
Knie.
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ZUm andern, durch
die drey Kreuz von beiden Seiten stehe anfenglich mit deinem rechten
Fuß vor zu dem obern Kreutz, doch mit deinem Leib auffrecht, hawe
also mit ausgestrecktem Arm von beyden Seiten schlims durch seine Achsel,
im hawen aber wende die rechte Seiten wol dem Haw nach gegen ihn. Zum
mitlern Kreuz stell wieder den rechten Fuß vor, doch daß
du im tretten mit den füssen umb einen Schuch oder mehr weiter
dann zuvor voneinander stehest, biege das Knie wol für sich, damit
du mit der rechten Achseln, von der du deine Häwe herführest,
etwas nieder gesenckt, und mit derselben dem Punckten deß mitleren
Kreuzes in gleiche Höhe stehest, haw also von beiden Seiten schlims
zusammen durch die mitte deß Manns Leib, wie zuuor durch sein
obern Leib geschehen, Zu dem understen Kreuz mustu mit den Füssen
noch weiter von einander stehen, wie du dann auch dein vorder Knie mehr
dann bißhero für sich gebogen haben solt, also daß
du mit deinem obern Leib vielmehr, dann zuvor, under sich gesenckt stehest,
und mit der rechten Achsel, diesem in gleiche höhe kommest, wo
es dir unmüglich, so gehe deß undern Kreuzes müssig,
dann es nicht für einen jeden,
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sonst wann du ihm, doch mit außgestrecktem Leib,
nach den Füssen hawen willst, so hat er gleich ein Geraden stich
in dein Angesicht. Diese drey Kreuz soltu ein jedes besonders sampt
ihren tritten für und hinder sich wol hawen lernen, ehe du sie
brauchest, doch alweg im tretten mit vorgeseztem rechten Fuß.
Diese drey Kreuz recht zu brauchen, Hawe den ersten gegen dem obern
Kreutz durch desselben Lincke uberort hangende Lini, den andern mit
einem fernen zutritt von deiner Lincken gegen seiner Rechten uber ort
durch das mittler Kreuz: Den dritten Hawe wider von deiner Rechten gegen
seinem Lincken under Kreuz schlims durch sein Fuß mit einem noch
noch weittern zutritt deines vordern fusses. Diese drey hawe müssen
gar behendt mit dreyen zutritten deß vordern rechten fusses geschehen,
sonsten lasse sie underwegen, wie du nun von obern biß zu den
undern, hergegen wider von undern biß zu den obern Lini, von einer
zur andern abwechseln kanst.

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Der Stiche im Rappier sindt
drey, auß welchen die andern alle herrühren: Der erste von
oben, der andere von unden, deren ein jeder von beyden seiten kan volbracht
werden: Der dritte gehet von deiner Mitte geradt von dir hin in das
lang Ort: Wie diese Figur mit ihren Buchstaben ausweiset durch nachfolgende
Erklärung. Das A. von oben auff dem Kopff ist ein Oberstich und
Scheitelhaw. Das B. an der lincken Achseln ist ein lincker Oberstich
zum Angesicht oder Brust. Das C. zur lincken in der Mitte oder Weiche
deß Leibs, ist der lincke Mittelstich zum Leibe. Das D. am lincken
Knie, ist ein Stich oder Haw von unden. Das E. zu den Füssen ist
der Understich oder Underhaw. Das F. am rechten Knie, ist ein Stich
oder Haw von unden. Das G. zur rechten Seitten in der Mitte, ist der
recht Mittelstich zum Leibe. Das H. an der rechten Achseln ist ein rechter
Oberstich. Also A. und E. ist der ober und Understich gegen einander.
B. und H. zween ober Mittelstich gegen einander in der Weiche und Mitte
des Leibes oder Bauchs. D. und F. sindt zween Mittelstich zu den beyden
Knien gegen einander, Item, H. und D. sind ein
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rechter ober und lincker oberzwerch schlims Stiche
gegen einander. Lezlich B. und F. sind ein linck ober und rechr Understich
gegen einander. Ein ander Exempel: Der Oberstich von der rechten Seitengegen
deß Manns Gesicht oder Brust gericht, brauch also: Lege dich wider
in die Oberhut zur rechten, erhebe alda deinen rechten Fuß zu
einem Fürtritt, in dessen Erhebung zucke zugleich dein Gefeß
auff deiner rechten Achseln hinder sich zuruck, zu eines starcken Stosses
Erholung, von dem Stiche mit einem weittern Zuschritt deines erhebten
Fuß gegen seiner Brust zu, in Anrührung des Stichs, wende
die lange Schneit Schneitsweise under sich gegen deiner Lincken also,
daß du nach vollendem Stich mit dem vordern Knie wol für
sich, auch mitdem Oberleib wol darüber vor sich dem Stich nach
gegen der Erden gebogen seyest, und das dein Rappier nach verrichtem
stich mit wol ausgestrecktem Arm lang vor deinem herab schneiden auff
die Erden komme, als dann fahre mit langer schneiden und Fuß im
erhabenem Fuß wider uber sich in die rechte Oberhut in allem wie
du erstlich gestanden, das geschihet zu beiden seiten.

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DAs Rappier wird in zwey
theill underschieden: Das erste theil ist von deß Rappiers spitzen
an biß in die Mitte desselben, genannt die Schwäche, auch
in die ganze und halbe schwäche abgetheilet: Die ganze ist vornen
hero an der spitzen: Die halbe schweche aber das ander vollents biß
an die Mitte. Das ander theil der Klingen von der Mitte biß an
das heffte genannt die Stärcke, auch in die halbe und ganze abgetheilet.
Die halbe stärcke ist die heffte von der Mitte an; und die andere
heffte bieß an das Ort oder Gefeß, heißt die ganze
stärcke. Das Rappier recht zu führen brauch also: Die rechte
Schneide desselben ist, damit du dein Gegentheil verlezen kanst: Der
Rucke dienet zum aufnemem, weil man allweg ein Schneidte als die halbe
Klinge zu offendiren; die andere heffte defendiren brauchen muß.
Wann du nun im fechten bey dem Mann so nahe bist, daß du ihme
sein eüsserst theil deß Rappiers mit deinem eüssersten
blößlich im anbinden erlangen kanst, so brauch umbschweiffige
stich und häw mit verführten oder verzügten hawen: Wann
ihr beide einander näher kommet daß beide Rappier in der
Mitte in anbinden zusammen rühren, so stich oder hawe mit nichten
umb, sondern nem wahr, wo er sich verhawet oder sonst entblössetm
das ihm nach tringest. Kommest ihme
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noch näher, also das du mit deinem Mittlen Rappier
in die Mitte der seinen anbindest, so sey behendt mit Greiffen, Ringen
und Werffen. sonsten ist kein ander Mittel du trettest dann von dem
Mann wider zurucke.

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IN dem Läger eines
Understichs, stehe mit dem rechten Fuß vor, halt dein Rappier
mit dem oberzwerchen Kreuz underhalb vor dem rechten Knie, daß
im halten der Klingen dein Daumen ober das Kreuz heraus auff der flachen
Klingen liege, welche dann ober sich gegen dir, die ander under sich
von dir gegen die Erden gekehret, stehen solle. In diesem Läger
stehe mit den Füssen weit von einander, und mit dem vordern Knie
wol vor sich gebogen, daß der Leib dem Rappier nach wol vor sich
darüber hang, auch die Spitz vor sich wol gegen deß Manns
Bauch außgestreckt werde, dieses Läger brauche zu beiden
Seiten.
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STehe in der Underhut zur
rechten, mit deinem rechten Fuß vor, halt dein Wehr mit hangendem
starcken Arm außwendig deines rechten Fuß neben dir, daß
die Spitzen aussenwerts von dir auff der Erden liege. Also machstu auch
die Underhut zut lincken, doch setze den rechten Fuß auch vor.
Item, wann einer, in dem du in die Nebenhut kommest, zusticht, so tritte
mit deinem lincken Fuß wol hinder deinem rechten zu im, gegen
seiner lincken Seiten, tritt mit deinem rechten auch fürter zu
im, und in dem tretten stiche auß der Underhut gerad gegen seinem
Gesicht, im hineinstechen aber wende die lange Schneidten sampt dem
Gefeß gegen seiner Klingen, daß du ihm hiermit sein Klingen
abwendest, und im versetzen zugleich auch mit der Spitze auftreffest,
nach Vollendung des Stichs so hebe dein Rappier mit ausgestrecktem Arm
uber sich gegen deiner rechten, hawe behendt nider auff die mitte seines
Rappiers, also das du ihm sein Rappier starck außschlagest, und
ehe er sich wider erholet, oder auff kompt, so stiche ihm eilends wieder
geradt für dir hin gegen seinem Gesichte.
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IN die hut der Eisenporten
stehe mit deinem rechten Fuß vor, halt dein Wehr mit für
sich hangedem Arm vor deinem rechten Knie, also daß die Spitze
für sich gegen des Mans gesicht stande. Item, Stehet dein Gegenpart
in der Eysenporten vor dir, so stich ihm inwendig seines Wehrs uber
sich gegen seinem Gesicht fehl, also daß dein Rappier gegen deiner
Rechten wider umschnappe in den rechten Ochsen, thu als wilstu ihm außwendig
uber seinen rechten Arm stechen, verführe den Stich in der Luft,
und stich ihm von underhalb seiner Wehr inwendig zu seinem Gesicht.

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IN der Oberhut zur rechten
stehe mit dem rechten Fuß vor, halt dein Gefeß neben deiner
rechten hoch uber sichzur Seiten außgestreckt, wie diese Figur
ausweiset, also das die Spitze gegen deß Manns gesicht stehe und
ist die Oberhut zum Stich: Wann du nun die Wehr mit deinem Gefeß
mit uber sich zur seiten ausgestrecktem Arm behaltest, und die Kling
nicht vor sich gegen den Mann sonder von dem Mann hinder dir auffreckest,
so ist es die Oberhut zu einem Streich. In der lincken Oberhut stehe
mit deinem rechten Fuß vor, halt dein Wehr mit dem Gefeß
hoch neben deiner lincken, mit ober sich ausgestrecktem Arm, also daß
die Spitz dem Mann gegen seiner rechten in sein Gesicht stehe. Behelstu
aber dein Gefeß also neben deiner Lincken uber sich, und vor sich
ausgestrecktem Arm, und wendest dein Klingen mit der spitzen hinder
deiner lincken Achsel uber sich auß, so stehest recht zum Streich,
der auch in ein Stich verwandelt werden kan.
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LEge dich in die hut des
linken Ochsens, stich er denn gegen deiner rechten her so spring wol
aus seinem Stich gegen seiner rechten, und stich von deiner lincken
oberhalb seinem rechten Arm, in dem er hersticht, ,mit außgestrecktem
Arm in sein Gesicht. Item, Lege dich in deß rechten Ochsenshut,
nim wahr, so balt er auff dich zusticht, so tritt mit deinem lincken
auff dein lincken seiten auß seinem Stich, folg geschwindt mit
deinem rechten Fuß auß gegen seiner rechten, im tretten
aber laß dein Klingen zugleich gegen deiner lincken ablauffen,
nach derselben auch umbschnappen in die hut des lincken Ochsens, von
dannen stich wie vor sc[riven]., und das muß behendt im herstechen
zugehen.
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ALhie liege mit außgestrecktem
langen Arm sampt der Klingen und wende wol mit derselben auff allen
beyden Seiten, wo dein Gegentheil herkommen möchte.
Item, Merck fleissig, in dem dein Gegentheil von oben
hersticht, so fahre mit deiner Klingen under der seinen durch, führe
ihm die mit abschneiden von deiner Lincken gegen deiner rechten ab,
Stich ihm geschwindt gegen seinem Gesicht, oder brust: In dem du ihm
mit deiner Wehr durchgangen, und ihme die seine abgeschnitten hast,
so laß dein Rappier neben deiner Rechten außfahren, hawe
ihm mit starkem außtretten gegen seiner Rechten, ehe daß
er recht auffkompt, vornen zu seinem Gesicht.

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WEnn du sihest, daß
dir einer vornen an der Klingen liegt, und will unden lassen durch gehen
mit der Spitzen nach deiner rechten Seiten, so trette du auff die 3.
wol mit, und falle mit der Spitzen recht oben ein, nach seinem obern
Leib, oder Brust zu, versezet dein Gegentheil aber das in demselben,
so trette du mit deinem lincken Fuß von der 3. auff die 2. und
hawe vornen ihm nach seinem Gesicht
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WAnn du sihest, daß
einer dir fornen hoch nach deinem Gesicht hauwet, so sehe du alsbaldt,
wenn er vor der Klingen abgehen will und hawen, so trette du hinden
auff die 4. und hawe zugleich ihm nach seiner Faust hinein, so er hoch
hawet, es liege du auch gerade wider mit der Klingen.
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