|
88
Vierter Theil
dieses Buchs, von Inhalt deß Fechtens
in der Stangen und
Helleparten.
KUrtze Beschreibung von der Stangen Anbinden,
Versatzungen und ihrer Abtheilung, welche hat vier Anbinde, und geschicht
das erste Anbinden am vordern oder eussern Theil der Stangen. Das ander
vor der Handt, die er in der Stangen vorführet. Das dritte in der mitte
der Stangen. Das vierdte wirdt durch das einlauffen mit dem hindern
Ort zu wegen gebracht. Ferner im ersten Theil und Anbindt gebrauch die
Schleg und fliegende Stöss: Im andern Anbindt die bleiben Winden und
Nachreisen, und in den zweyten letzten die Einlauffen und Ringen. Der
Versatzung in der Stangen, wie der Anbinden sindt vier: Die erste mit
dem vordern Theil deiner Stangen von beyden seiten: Die ander vor der
Handt: Die dritte in der mitte: Die vierdte mit dem hindern Ort volnbracht
wirdt.
Zum dritten seindt der Läger fürnemlich fünff: Die Oberhut, gerad ubersich
vor dir aussgestreckt, zu beyden Seiten: Die Underhut zu beyden Seiten:
Nebenhut: Mittelhut und Steurhut.
|
|
89

WAnn du in der Nebenhut liegest, so stehe
mit dem rechten Fuß vor, halt dein Stangen mit dem Mittelern theil auff
deiner lincken Hüfft, also daß das kurtzer Ort und hinder Ort gegen
dem Mann,
das lenger Ort aber hinder dir aussstehe, beut ihm die rechte Seiten
wol dar, wie das Bildt allhier. Item das Bildt zur lincken Handt allhier
liegt in der Steurhut, mit dem lincken Fuß vorstehent, helt die Stangen
mit dem vordern Ort für seinem lincken Fuß auff die Erden, unnd den
hindern Ort mit außgestreckten Armen vor seinem Gesicht uber sich. Item,
diese Hut mache also. Stehe mit dem rechten Fuß vor, halt dein Stangen
hinder dir, auch mit dem vordern Ort auff die Erden, so bistu zum Streich
bereitet. Exempel: Wann du nun also im zufechten deine rechte Handt
sampt den hindern Ort deiner Stangen an deiner Weiche haltest, und dein
vordern Ort mit wol vor sich nachgehencktem Leibe, vor deiner rechten
zur seiten auß auff der Erden liegen hast, so nim wahr alsbald er gegen
deinem Gesicht hersticht, so tritt mit deinem rechten Fuß gegen deiner
rechten Seiten auß, und mit deinem lincken weitter gegen seiner lincken
zu ihm, sich ihm also, in dem er seinen Stoß herführet, oberhalb seinem
|
90
lincken Arm zu seinem Gesicht, auch soltu hiemit, in dem du also mit
ihm hinein stoßest, deinen Kopf wol von seinem herfliegendem Stoß uber
dein Stang gegen deiner rechten Seiten under sich sincken, so bistu
du desto besser versetzt. Item, im zufechten schicke dich wider mit
wol vor sich gebogenem Knie, also daß dein oberer Leib der Stangen wol
nachgesenckt sey, merck alsbald er herstösset, so schlage im seine Stangen
von deiner rechten gegen deiner lincken in einem Ruck auß, doch also
daß du dich mit deiner Stangen in solchem außschlagen nicht weiter verschlagest,
dann biß in die gerade Versatzung, und ehe er sich dann von solchem
Stoß wider erholet, so stoß ihm mit einem Außsprung gegen seinem Gesicht.

|
|
91

AUß der Mittelhut
zur lincken Seiten fechte also: tritt mit deinem lincken Fuß hinder
deinem rechten zu ihm, also daß du in dem umbwenden ihme den Rucken
zukehrest, im umbwenden aber, wird er dir aber eylendts gegen deinem
Gesicht herstechen, verhoffent das zu ereylen, so erhebe darumb in diesem
hindersich tretten dein beyde Händt sampt dem hindern Theil deiner Stangen,
also daß derselbigen vorder theil gegen der Erden hange, behendt ubersich
außgestreckt gegen seiner lincken, schlag ihm in diesem deinem umbwenden
seinen herkommenden Stoß mit deiner hangenden Stangen von deiner rechten
gegen deiner lincken zur Seiten auß, laß dieselbe durch ein Schwung
vollendt umb das Haupt fahren, in dem herumbfahren, laß die lincke Handt
ab, nach dem du mit derselben Handt deiner Stangen einen starcken Schwung
geben hast, darnach schlag dann mit einer Hand ein starck geschwinden
Streich zu seinem lincken Ohr.
|
92

IN dem zufechten treib
diesen Streich im ubergehen also: So baldt du ihm sein eusserst Theil
der Stangen mit deinem eussersten erreichen kanst, so behalt dein vordern
Ort gerad vor seim Gesicht, wende dich in deßen woll auff deine rechte
Seiten, also daß du ihm den Rucken wendest, und im zuwenden tritte underdens
mit deim rechten Fuß hinder deinem lincken zu ihm, mit diesem Tritt
wende dich auff dein rechte seiten umb, schlag mit deiner rechten Handt
herumb, gerad von oben zu seinem Haupt, so triffestu ihn gewiss.
|
|
93

SO beyde eusserste Theilen der Stangen
im anbinden zusamen rühren, so treib ihm dieselbe unuersehens starck
zur Seiten auß, doch damit du mit deiner Stangen dem ausßrucken nach
nicht so weit verfahrest, sondern stoß ihm alsbaldt von seiner Stangen
ab, für dir hin zu seinem Gesicht, behendt und eilends, ehe er sich
wider erholet, wo du ihn aber im außtrucken nicht erreichen kanst, so
ruck ihme seine Stange wider auff seine Seiten, thue als wollestu den
vorigen Stoß wider brauchen, und in dem er mit seiner Stangen wider
her zu gegen deiner eilet, vermeinent dein Stoß zuuersetzen, in dem
herstossen fahre du under seiner Stangen durch, stoß ihm auff der andern
seiten mit einem Ausssprung behendt mit gewalt zu seinem Gesicht.
|
94

WO dir einer mit seiner
Stangen gegen deiner Rechten zum Gesicht hersticht, so spring alsbaldt
im herstechen, gegen seiner Rechten zu ihm, treibe ihm hiemit zugleich
mit deiner Stangen die seine uber sich, in dem so stich gerad für dir
hin, gegen seiner Brust oder Gesicht.
|
|
95

KOmme im Kreutzhaw von unden mit deinem
lincken Fuß vor, führe dein Helleparten zur lincken,
von dero hawe mit deß Blats Schärpffe neben deiner lincken von unden
gegen seiner rechten uber sich uber Ort durch sein Gesicht, mit solchem
Underhaw fahr mit beyden Armen hoch, daß du dein
Hellepart zur rechten seiten hoch neben deinem Kopff haltest, und die
spitze gegen dein Gegentheils Gesicht stehe, wende dich wol auff dein
rechte, mit Zukehrung deß halben Theils deines Ruckens, reisse alsbaldt
neben deiner rechten, von unden schlims uber Ort uber sich gegen seiner
lincken durch sein Gesicht, also daß dein Helleparten nach dem reissen
hinder deiner lincken Achsel auß sehe, so stehestu zu eim gezuckten
Oberhaw, von dannen wende deines Blats scharpffe Schneiden wider neben
deiner lincken undersich, hawe neben derselben wider von unden schlims
ubersich gegen seiner rechten uber Ort zu seim Gesicht durch, wende
dich mit dem Underhaw wider wol gegen deiner rechten, daß du mit dem
hacken deiner Helleparten wider wie zuvor, neben deiner rechten, und
von unden auff uber sich gegen seiner lincken, durch sein Gesicht reissen
könnest.
|
96

NIm wahr, so baldt dir
einer mit seinem Blat an das deine hat angebunden, so fahr mit deim
Blat an seiner Stangen in wenig uber seines, also daß du mit dem deinen
uber das seine hinein komst, in dem wende uber sein Stangen, auff solches
reisse behendt starck under sich zu dir, ruck ihm sein mehr in die Schweche,
stich also auff dasselbe geschwindt an seiner Helleparten uber sich
gegen seim Gesicht, will er den Stoss eilendts abwenden, so wechsel
baldt unden durch, und stich ihn mit eim Ausstritt auff der andern seiten
hinein.
|
|
97
IM zufechten auß dem Mittelhaw
vor dem Mann, erhebe dein Helleparten in die höhe, hauwe von dannen
mit beyden Henden uberzwerch gegen seiner Rechten, dem Gesicht und der
Helleparten zu starck durch, wende behendt dein Blat uber sich, reisse
baldt herwider von deiner rechten gegen seiner lincken uberzwerch starck
gegen seinem gesicht, und der Helleparten durch, zucke dir gegen deiner
lincken mit beiden henden umb den Kopff, hauwe von oben nieder gegen
seinem lincken Arm, den er vorführet, und dem Gesicht zu durch, zu letzt
stich ihm gerad zu seinem Gesicht zu.
|
98

IM zufechten für deinem
Gegentheil auss der Oberhut oder gerader Versatzung, wann beyde Blat
zusammmen rühren, so erhebe dein Helleparten mit deinem lincken Fuß,
so da vorstehet, eilends uber sich, hawe unuersehens behend gegen seiner
Rechten hart an seiner Helleparten von oben gegen sein Henden starck
durch nider, im herab hawen wechsel under seiner Helleparten durch,
stich behend gegen seiner lincken Seiten zu seinem Gesicht.
|
|
99
SO offt du auß der Oberhut neben seiner
Helleparten nach seinem Arm oder Handt zu, von oben nider durch hawest,
es geschehe ihn damit auffzubringen, auß seim Vortheil abzulocken oder
ihm sein Handt, Arm zu letzen, so nim wahr, in dem du mit deiner Helleparten
under der seinen durch fellest, dir nach zustechen, und so er es thut, so fahre
baldt mit uberzwerchen Blat wider ubersich, schlag ihm sein herrührenden
Stoß von unden ubersich auß, stoß ihm geschwindt, ehe er sich widerholet,
starck nach seinem Gesicht.
|
100
FIndst du einen in der
Nebenhut, so treibe ihn mit einem verzuckten haw oder Stich auff, alsbaldt
er nun auffehret, so wechsel behend durch, ergreiffe ihm von der andern
seiten seinen Hacken mit dem deinen, reisse ihn zu dir, sihe zu, wo
du ihn mit stossen erlangen kanst gegen seinem Gesicht.
|
|
101
NIm wahr, wann du einem
mit deinem Blat anbindest, und Gegentheil nicht arbeiten will, so gehe
eilend unuersehens vom Blat ab, tritt ein wenig gegen der Seiten, gegen
der du angebunden hast, auß, stich in dem behendt gegen seim Gesicht
zu, im hinein stechen merck, ob er dir den Stich versetzen und außschlagen
wölle, thut er das, so lass dein Blat under sich sincken, ergreiffe
ihn damit, weil er noch im außschlagen ist, bey seim vorgesetzten Bein,
ziehe daßelbe zu dir, so muss er fallen.
|
102
FIndestu dein Gegentheil
in der Oberhut, und begert dir dein Haw oder Stich zu dempffen, so thue,
als wolstu ernstlich gegen seim Gesicht stechen, damit du ihn oben herab
reitzest, im hineinstechen merck wol, alsbaldt er mit dem Oberhaw herab
fält, so tritt in dem geschwindt zur seiten auß, zucke hiemit dein Hellepart
under der seinen herfür, fall ihme mit derselben auff die seine, reisse
ihm die mit deim Blat undersich zu dir, stich ihm alsdann starck gegen
seinem Gesichte.
|
|
103
BEgegnet dir dein Widerpart
in der Underhut, so falle ihm unuersehens mit deiner Helleparten hart
hinder seim Blatt auff die seine, in dem stich ihm eylendts unuersehens
mit Ernst gegen seinem Gesicht, so wirdt er behendt auffahren deinen
Stich außzuschlagen, lasse ihn die nicht anrühren, sondern verzuck und
wechsel im auffahren unden durch, und stich ihm auff der andern Seiten
hinein.
|
104

WAnn zween mit Pflegeln fechten, so begibt
sich es offt, das beyde Stangen in der Mitte zusamen gebunden werden,
wann sich nun solches mit dir begibt, so bleib mit deines Pflegels Stangen
an der seinen, und laß dein lincke Handt ab, verkehre die, und greiffe
damit beyder Pflegel Stangen, fahre demnach mit dem hindern Ort under
seinem Pflegel durch, ruck also mit der rechten Handt ubersich zu dir,
so muß er die lassen, oder wann du ihn mit deinem rechten Fuß hinder
trittest, fallen.
Ende dieses Fechtbuchs.
| | | | | | | | | | | | | | | | |