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  Stand: 04.04.2004
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Jakob Sutor, 1612

Inhalt - Vorrede - Langes Schwert - Dusack - Rapier I - Rapier II - Rapier III - Stange
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Vierter Theil

dieses Buchs, von Inhalt deß Fechtens in der Stangen und
Helleparten.

KUrtze Beschreibung von der Stangen Anbinden, Versatzungen und ihrer Abtheilung, welche hat vier Anbinde, und geschicht das erste Anbinden am vordern oder eussern Theil der Stangen. Das ander vor der Handt, die er in der Stangen vorführet. Das dritte in der mitte der Stangen. Das vierdte wirdt durch das einlauffen mit dem hindern Ort zu wegen gebracht. Ferner im ersten Theil und Anbindt gebrauch die Schleg und fliegende Stöss: Im andern Anbindt die bleiben Winden und Nachreisen, und in den zweyten letzten die Einlauffen und Ringen. Der Versatzung in der Stangen, wie der Anbinden sindt vier: Die erste mit dem vordern Theil deiner Stangen von beyden seiten: Die ander vor der Handt: Die dritte in der mitte: Die vierdte mit dem hindern Ort volnbracht wirdt.

Zum dritten seindt der Läger fürnemlich fünff: Die Oberhut, gerad ubersich vor dir aussgestreckt, zu beyden Seiten: Die Underhut zu beyden Seiten: Nebenhut: Mittelhut und Steurhut.

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WAnn du in der Nebenhut liegest, so stehe mit dem rechten Fuß vor, halt dein Stangen mit dem Mittelern theil auff deiner lincken Hüfft, also daß das kurtzer Ort und hinder Ort gegen dem Mann,

das lenger Ort aber hinder dir aussstehe, beut ihm die rechte Seiten wol dar, wie das Bildt allhier. Item das Bildt zur lincken Handt allhier liegt in der Steurhut, mit dem lincken Fuß vorstehent, helt die Stangen mit dem vordern Ort für seinem lincken Fuß auff die Erden, unnd den hindern Ort mit außgestreckten Armen vor seinem Gesicht uber sich. Item, diese Hut mache also. Stehe mit dem rechten Fuß vor, halt dein Stangen hinder dir, auch mit dem vordern Ort auff die Erden, so bistu zum Streich bereitet.   Exempel: Wann du nun also im zufechten deine rechte Handt sampt den hindern Ort deiner Stangen an deiner Weiche haltest, und dein vordern Ort mit wol vor sich nachgehencktem Leibe, vor deiner rechten zur seiten auß auff der Erden liegen hast, so nim wahr alsbald er gegen deinem Gesicht hersticht, so tritt mit deinem rechten Fuß gegen deiner rechten Seiten auß, und mit deinem lincken weitter gegen seiner lincken zu ihm, sich ihm also, in dem er seinen Stoß herführet, oberhalb seinem

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lincken Arm zu seinem Gesicht, auch soltu hiemit, in dem du also mit ihm hinein stoßest, deinen Kopf wol von seinem herfliegendem Stoß uber dein Stang gegen deiner rechten Seiten under sich sincken, so bistu du desto besser versetzt. Item, im zufechten schicke dich wider mit wol vor sich gebogenem Knie, also daß dein oberer Leib der Stangen wol nachgesenckt sey, merck alsbald er herstösset, so schlage im seine Stangen von deiner rechten gegen deiner lincken in einem Ruck auß, doch also daß du dich mit deiner Stangen in solchem außschlagen nicht weiter verschlagest, dann biß in die gerade Versatzung, und ehe er sich dann von solchem Stoß wider erholet, so stoß ihm mit einem Außsprung gegen seinem Gesicht.

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AUß der Mittelhut zur lincken Seiten fechte also: tritt mit deinem lincken Fuß hinder deinem rechten zu ihm, also daß du in dem umbwenden ihme den Rucken zukehrest, im umbwenden aber, wird er dir aber eylendts gegen deinem Gesicht herstechen, verhoffent das zu ereylen, so erhebe darumb in diesem hindersich tretten dein beyde Händt sampt dem hindern Theil deiner Stangen, also daß derselbigen vorder theil gegen der Erden hange, behendt ubersich außgestreckt gegen seiner lincken, schlag ihm in diesem deinem umbwenden seinen herkommenden Stoß mit deiner hangenden Stangen von deiner rechten gegen deiner lincken zur Seiten auß, laß dieselbe durch ein Schwung vollendt umb das Haupt fahren, in dem herumbfahren, laß die lincke Handt ab, nach dem du mit derselben Handt deiner Stangen einen starcken Schwung geben hast, darnach schlag dann mit einer Hand ein starck geschwinden Streich zu seinem lincken Ohr.

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IN dem zufechten treib diesen Streich im ubergehen also: So baldt du ihm sein eusserst Theil der Stangen mit deinem eussersten erreichen kanst, so behalt dein vordern Ort gerad vor seim Gesicht, wende dich in deßen woll auff deine rechte Seiten, also daß du ihm den Rucken wendest, und im zuwenden tritte underdens mit deim rechten Fuß hinder deinem lincken zu ihm, mit diesem Tritt wende dich auff dein rechte seiten umb, schlag mit deiner rechten Handt herumb, gerad von oben zu seinem Haupt, so triffestu ihn gewiss.

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SO beyde eusserste Theilen der Stangen im anbinden zusamen rühren, so treib ihm dieselbe unuersehens starck zur Seiten auß, doch damit du mit deiner Stangen dem ausßrucken nach nicht so weit verfahrest, sondern stoß ihm alsbaldt von seiner Stangen ab, für dir hin zu seinem Gesicht, behendt und eilends, ehe er sich wider erholet, wo du ihn aber im außtrucken nicht erreichen kanst, so ruck ihme seine Stange wider auff seine Seiten, thue als wollestu den vorigen Stoß wider brauchen, und in dem er mit seiner Stangen wider her zu gegen deiner eilet, vermeinent dein Stoß zuuersetzen, in dem herstossen fahre du under seiner Stangen durch, stoß ihm auff der andern seiten mit einem Ausssprung behendt mit gewalt zu seinem Gesicht.

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WO dir einer mit seiner Stangen gegen deiner Rechten zum Gesicht hersticht, so spring alsbaldt im herstechen, gegen seiner Rechten zu ihm, treibe ihm hiemit zugleich mit deiner Stangen die seine uber sich, in dem so stich gerad für dir hin, gegen seiner Brust oder Gesicht.

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KOmme im Kreutzhaw von unden mit deinem lincken Fuß vor, führe dein Helleparten zur lincken,

von dero hawe mit deß Blats Schärpffe neben deiner lincken von unden gegen seiner rechten uber sich uber Ort durch sein Gesicht, mit solchem Underhaw fahr mit beyden Armen hoch, daß du dein

Hellepart zur rechten seiten hoch neben deinem Kopff haltest, und die spitze gegen dein Gegentheils Gesicht stehe, wende dich wol auff dein rechte, mit Zukehrung deß halben Theils deines Ruckens, reisse alsbaldt neben deiner rechten, von unden schlims uber Ort uber sich gegen seiner lincken durch sein Gesicht, also daß dein Helleparten nach dem reissen hinder deiner lincken Achsel auß sehe, so stehestu zu eim gezuckten Oberhaw, von dannen wende deines Blats scharpffe Schneiden wider neben deiner lincken undersich, hawe neben derselben wider von unden schlims ubersich gegen seiner rechten uber Ort zu seim Gesicht durch, wende dich mit dem Underhaw wider wol gegen deiner rechten, daß du mit dem hacken deiner Helleparten wider wie zuvor, neben deiner rechten, und von unden auff uber sich gegen seiner lincken, durch sein Gesicht reissen könnest.

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NIm wahr, so baldt dir einer mit seinem Blat an das deine hat angebunden, so fahr mit deim Blat an seiner Stangen in wenig uber seines, also daß du mit dem deinen uber das seine hinein komst, in dem wende uber sein Stangen, auff solches reisse behendt starck under sich zu dir, ruck ihm sein mehr in die Schweche, stich also auff dasselbe geschwindt an seiner Helleparten uber sich gegen seim Gesicht, will er den Stoss eilendts abwenden, so wechsel baldt unden durch, und stich ihn mit eim Ausstritt auff der andern seiten hinein.

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IM zufechten auß dem Mittelhaw vor dem Mann, erhebe dein Helleparten in die höhe, hauwe von dannen mit beyden Henden uberzwerch gegen seiner Rechten, dem Gesicht und der Helleparten zu starck durch, wende behendt dein Blat uber sich, reisse baldt herwider von deiner rechten gegen seiner lincken uberzwerch starck gegen seinem gesicht, und der Helleparten durch, zucke dir gegen deiner lincken mit beiden henden umb den Kopff, hauwe von oben nieder gegen seinem lincken Arm, den er vorführet, und dem Gesicht zu durch, zu letzt stich ihm gerad zu seinem Gesicht zu.

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IM zufechten für deinem Gegentheil auss der Oberhut oder gerader Versatzung, wann beyde Blat zusammmen rühren, so erhebe dein Helleparten mit deinem lincken Fuß, so da vorstehet, eilends uber sich, hawe unuersehens behend gegen seiner Rechten hart an seiner Helleparten von oben gegen sein Henden starck durch nider, im herab hawen wechsel under seiner Helleparten durch, stich behend gegen seiner lincken Seiten zu seinem Gesicht.

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SO offt du auß der Oberhut neben seiner Helleparten nach seinem Arm oder Handt zu, von oben nider durch hawest, es geschehe ihn damit auffzubringen, auß seim Vortheil abzulocken oder ihm sein Handt, Arm zu letzen, so nim wahr, in dem du mit deiner Helleparten under der seinen durch fellest, dir nach zustechen, und so er es thut, so fahre baldt mit uberzwerchen Blat wider ubersich, schlag ihm sein herrührenden Stoß von unden ubersich auß, stoß ihm geschwindt, ehe er sich widerholet, starck nach seinem Gesicht.

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FIndst du einen in der Nebenhut, so treibe ihn mit einem verzuckten haw oder Stich auff, alsbaldt er nun auffehret, so wechsel behend durch, ergreiffe ihm von der andern seiten seinen Hacken mit dem deinen, reisse ihn zu dir, sihe zu, wo du ihn mit stossen erlangen kanst gegen seinem Gesicht.

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NIm wahr, wann du einem mit deinem Blat anbindest, und Gegentheil nicht arbeiten will, so gehe eilend unuersehens vom Blat ab, tritt ein wenig gegen der Seiten, gegen der du angebunden hast, auß, stich in dem behendt gegen seim Gesicht zu, im hinein stechen merck, ob er dir den Stich versetzen und außschlagen wölle, thut er das, so lass dein Blat under sich sincken, ergreiffe ihn damit, weil er noch im außschlagen ist, bey seim vorgesetzten Bein, ziehe daßelbe zu dir, so muss er fallen.

102

FIndestu dein Gegentheil in der Oberhut, und begert dir dein Haw oder Stich zu dempffen, so thue, als wolstu ernstlich gegen seim Gesicht stechen, damit du ihn oben herab reitzest, im hineinstechen merck wol, alsbaldt er mit dem Oberhaw herab fält, so tritt in dem geschwindt zur seiten auß, zucke hiemit dein Hellepart under der seinen herfür, fall ihme mit derselben auff die seine, reisse ihm die mit deim Blat undersich zu dir, stich ihm alsdann starck gegen seinem Gesichte.

103

BEgegnet dir dein Widerpart in der Underhut, so falle ihm unuersehens mit deiner Helleparten hart hinder seim Blatt auff die seine, in dem stich ihm eylendts unuersehens mit Ernst gegen seinem Gesicht, so wirdt er behendt auffahren deinen Stich außzuschlagen, lasse ihn die nicht anrühren, sondern verzuck und wechsel im auffahren unden durch, und stich ihm auff der andern Seiten hinein.

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WAnn zween mit Pflegeln fechten, so begibt sich es offt, das beyde Stangen in der Mitte zusamen gebunden werden, wann sich nun solches mit dir begibt, so bleib mit deines Pflegels Stangen an der seinen, und laß dein lincke Handt ab, verkehre die, und greiffe damit beyder Pflegel Stangen, fahre demnach mit dem hindern Ort under seinem Pflegel durch, ruck also mit der rechten Handt ubersich zu dir, so muß er die lassen, oder wann du ihn mit deinem rechten Fuß hinder trittest, fallen.

Ende dieses Fechtbuchs.

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