Stand: 04.04.2004
- Deutsche Fechtbücher
- Bibliographie
- Transkriptionen
- Fechtbücher
im WWW |
|
New
Künstliches Fechtbuch,
Das Ist,
Ausführliche
Desckription
der Freyen Adelichen und
Ritterlichen Kunst
des Fechtens in den
gebreuchlichsten Wehren, als Schwerdt, Dusacken,
Rappier, Stangen und Helleparten, im fechten und mit fein gewissen zu
und abtritten aus den Lagern, auch Geschwindigkeit, benebem kurzer
Erklärung einer sehr nothwendigen Instruction, sampt viel
schönen, ganz nützlichen und zierlichen Figuren
eygentlich fürgestellet: Nun aber allen und jeden der
löblichen Fechtkunst Liebhabern, zu sonderlichem gefallen in
diese kleine Form gebracht und an tag gegeben, Durch den Wolerfahrnen
und berühmten Freyfechtern
J A C O B
S V T O R I V M
von Baden.
Gedruckt zu Franckfurt am Mayn durch Johann
Bringern,
In Verlegung Willhelm
Hoffmans.
M. DC. XII.
|
|
Den Durchleuchtigen,
hochgebornen Fürsten und Her-
ren, Herrn Iulio Friderico,
Herrn Achilli Friderico, und Herrn
Magno Friderico, Herzogen zu Würtenberg und Leck, Grafen zu
Mumpelgart,
Herrn zu Heidenheim und
Oberkirch, meinen Gnädigen Fürsten und Herren.
DUrchleuchtige, Hochgeborne Fürsten,
gnädige Herrn, E. F. G. seyen mein ganzwillig schuldige
Dienst, meines eussersten vermögens underthenig zuvor bereyt,
gnädige Fürsten und Herrn. Demnach E. F. Gn.
unverborgen, das die löblich Adeliche und Ritterliche Kunst
des Fechtens ein uralte Kunst ist, auch allen und jeden Personen,
weß Stands die seyen, sehr nutzlich und dienlich, so woll zu
Erhaltung deroselben bestendiger Gesundheit, als auch zur Defension des
Leibes und Lebens, derer sich Dapffere und Mannhafte Kriegshelden, zu
allen und jeden Zeiten insonderheit befliessen, und dardurch ihre
Adeliche Mannheit zu Rettung deß gemeinen Vaterlands
sichbarlich dargethan, bewiessen, auch ewig Lob und Ruhm dardurch
erlanget haben, wie solches fürnemlich am allermeisnten
auß der uralten Römer Historien Schreibern zu
ersehen. Es wirdt auch dieser ritterlichen Kunst deß Fechtens
in heiliger Göttlicher Schriften ganz
|
|
ehrlichen und wol
gedacht, insonderheit deß newen Testaments, da der heilige,
als sonst ein hocherleuchter und außerwehlter
Rüstzeug Gottes, Apostel Paulus in der ersten Epistel an die
Corinther am sechsten Capitel, einen Christlichen Ritter und Streiter
auff die Vortheil sehen heisset, so da ein Rittermässiger
Kämpffer und Streitter in gute Achtung zu nehmen pfleget. was
aber obermelte Ritterliche und Edel Fechtkunst, vor frommen und nuzen
zu allen und jeden Zeitten gebracht, ist einigen Beweisthumbs im
wenigsten nich von nöthen, dieweil es jedermenniglichen an
allen Orten sehr wol bewust. Welches dann E. F. Gn. Herrn Vorfahren
Christmilter Hochlöblich seeligster
Gedächtnuß, als Fürstliche Heroische
Herzer, und deß löblichen Fürstlichen
Hauses Kronen, auch befunden und erfahren haben: Darumb sie dann
nächst Göttlicher Hülff und Beystandt mit
ihrer Fürstlichen Ritterlichen Dapfferkeit auch nicht ohne
Hülff dieser Adelichen Fechtkunst wider alle Feindt mit
grossem Muth und Mannheit gezogen, glücklichen obgelegen, und
durch solch ihre Heroica facta ewig Lob und Ruhm erlanget haben. Nun
ist auch gleich wol nutzlich zu bedenken daß die Ritterliche
und Edel Fechtkunst erstlichen ein sehr geringen Anfang gehabt, da man
sich mit fast geringen Waffen hat behelffen, auch defendiren
müssen wie in den uralten Scribenten zu lesen, biss man je
lenger je ferner, wie auch sonst in allen andern Künsten
geschehen, kommen, und nunmehr durch die tägliche ubliche
Ehrfahrung so weit bracht, da? sich billich darüber zu
verwundern. Dieweil dann Durchleuchtige hochgeborne Fürsten
und Herrn, gedachte Ritterliche und Edel Fechtkunst von
underschiedtlichen Authoren in allerhandt, als Teutscher, Lateinisch,
Italianisch und Französicher Sprachen hiebevor in Druck
aussgangen, aber dieselbe in solchen Büchern also Dunckel,
daß auch einer wol beneben einem guten Lehr und Fechtmeister
auß solchen nichts gewisses kann lernen, so hat doch in
Newlichkeit ein Liebhaber dieser Ritterlichen Fechtkunst, als nemlich
Jacob Sutorius von Baden, Freyfechter, wie er sie nun von vielen Jahren
hero durch die tägliche Ubung selbert in Ehrfahrung bracht,
auß allerley Fechtbüchern, so da jemahls zu
bekommen, die fürnembste und ausserlesene Stück im
Schwerdt, Dusacken, Rappier, Stangen und Helleparten, kurz in ein
fasciculum oder Büchlein zusamen getragen, mit ihren Lagern
und Tritten, zu unnd von dem Mann zu gebrau-
|
|
chen, eygentlich
beschrieben, die Jugendt, so er auff Vniuersiteten und anders wo
obgedachte Löbliche Fechtkunst gelehret, auß
gegenwertigem Büchlein, als ein Fundament, underwiesen, auch
wann schon einer ein Stück auss eim Lager vergessen,
darauß gar wol wider in pristinam memoriam reuociren
können. Dieses Buch aber, demnach es von vielen, so zu der
Ritterlichen und Edel Fechtkunst Lust und Gefallen haben, in sehr hohem
Werth gehalten, und zum offtern abgeschrieben worden, Als bin durch
viel vornemme hohes und nidern Standts Personen, und der
Löblichen Adelichen Fechtkunst Liebhabern, ich zu
underschiedtlichen mahlen ersucht und gebetten worden, solche
Mühe, nemlich die Stöcke in oberzehlten Wehren, als
Schwerdt, Dusacken, Rappier, Stangen und Helleparten mit ihren gewissen
Lagern in Holtz zu schneiden, an die Handt zu nemen und in
diß klein Format zu verfertigen. Wann dann ich meinem von
Gott dem Allein mögenden mir mitertheilten geringen thalent
nach, doch auff vorhergehendes vieler guthertzigen bitten und flehen,
dem gemeinen Nutzen zum besten, nach vermögen zu dienen, mich
in alle wege schuldig erkenne, hab ich diß gegenwertiges Buch
mit allen zugehörigen Stücken sampt den Lagern, wie
es sich gebüret, in diess jetzo füglicher kleine
Form, auff das zierlichst, als immer müglich, in Holz de nouo
schneiden und bringen wollen, solche Mühe, Fleiss und Kosten
nicht vergebens angewendet zu haben verhoffend, weil sonderlich
diß Buch also zugerichtet, daß es nunmehr die
blühendt angehende Jugendt, so zu dieser Ritterlichen
Fechtkunst Lust unnd lieb tragen, auff Unterweisung eines guten Lehr
und Fechtmeisters, gar leichtlich in kurzem auß dem Fundament
hierin lernen, jeder Zeit auff den Nothfall zu repetiren und gebrauchen
mögen. Weil aber Durchleuchtige, Hochgeborne Fürsten
und Herrn, mir ganz wol bewust, daß E. F. Gn. wie sonsten zu
allen andern Heroischen Tugenden tam in literis, quam armis, also auch
zu vielgedachter Ritterlichen unnd Edel Fechtkunst, ein besondern Lust
und Gefallen tragen, und ich selbsten darinn zweiffels ohne zum
fleissigsten geübt haben, wie auch noch, als habe
hochgedachten E. F. Gn. ich in Underthenigkeit dieses
Büchlein, wiewol es nicht mein selbst eygen Arbeit, doch zu
wenigsten etwas, als die Stöcke darinn zu schneiden, zu
Beförderung und Edirung deßelben gethan, dediciren,
unnd under deroselben E. F. Gn.
|
|
Namen in offnen Truck
auff mein Kosten verfertigen, jedermann communiciren und mittheilen
wöllen, der tröstlichen Hoffnung und Zuversicht, E.
F. G. solches in Gn. vermercken werden. Gelanget
demnach an E. F. Gn. mein in Underthenigkeit Hochfleissiges Bitten und
Gesinnen, dieselbe solches ihnen in Gnaden gefallen lassen, unnd mein
gnädige Fürsten und Herren seyn, auch bleiben
wöllen. Dieselbe E. F. Gn. hiemit Götllicher
Protection, mich aber deroselben zu Gn. ganz getrewlich befehlende.
Datum Franckfurt am Mayn, den ersten Tag Monats Aprilis im Jahr unsers
einigen Erlösers Christi Ein Tausent, Sechshundert und
Zwölff.
| |
E. F. G.
|
Unterthenig
gehorsamer
Wilhelm Hoffman, Bürger
in
Franckfurt
|
|
|