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  Stand: 04.04.2004
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Deutsche Fechtbücher
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WIltu dich mit einem scharpff im Dolchen und Rappier balgen oder fechten, so gebe du gut achtung auf den ersten Stoß mit dem Dolchen, daß er sich verstoßen hat und liege mit deiner Klingen sampt der sterke vor dem Mann, und stosse baldt hernach, biß daß du siehest, daß du mit der verführung ihm könnest abbrechen, und mit der Geschwindigkeit ihme aslbaldt nachstossen.

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WIll einer auff dich zurennen mitten, so trette du nur gleich mit den Beinen für den Mann, Sihestu, daß er tief nach deinem Leib stossen will, so schlage ihm seinen Stoß aus, oder hinweg, und trette mit dem rechten Schenkel auff die prima, und renne nach seinem ganzen Leibe, und brauche du den Triangel und Circkel in den trütten, wie anfangs gelehret, so wirstu jeder zeit spüren, das sie recht und gut sindt.

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WIltu mit einem in zweien Rappieren fechten, oder wann einer solches an deinem Leib brauchen will, so liege du ihme mit der Spitzen recht im Gesichte, unnd trette nicht zu weit mit dem rechten Fuß sampt der Klinge hinauß für den Mann, und daß dein Spitze nicht zu hoch uber seinem Haupt liege, sondern ein wenig under dem Gesichte, und das andere Rappier in der lincken Handt soll nur zu den Versatzungen dienen, oder gebraucht werden, Es were dann daß du lincks und rechts werest in beyden Fäusten, im stoßen zugleich, so kann man einen recht woll in der Klingen angreiffen. Sihest du aber, daß er frisch von sich hinweg stöst, so neme oder versetze du seinen stoß woll, und stosse geschwindt wider hernacher auff in: Wiltu aber nach ihme hawen, so kanstu er auch thun, dann es ist ein gut Ding, wer hawen und stossen zugleich wol brauchen kann, man kann manchen guten Gesellen dardurch verderben, dann da muß einer den andern treffen mit der List, dann mit der List und Geschwindigkeit ubertrifft einer den andern weit, die List aber deß Rappiers kann niemandt nicht außdencken, er sey gleich wer er wölle, oder auch in diesen meinen

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stücken ist das aller beste jetzo in dieser Welt Hawen, Stossen, Einlauffen, Verführung, ist alles gut für den Feindte, Es ist auch so ein ding, daß zwey Rappier allhier in Teutschlandt nicht wol gebraucht werden, sondern man hat mit einem genugsam zu thun, darinn man gelernet hat.

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WIlstu im balgen einen verkürzen, sonderlich wann der Stoß ist außgenommen, und er will hoch nach deinem Gesichte, oder nach deinem Haupt zuhawen, so gebe du fleissig achtung auff seinen Leib, aber im hoch hawen nach dem Gesichte, haw du mit ihm zugleich, nach seiner rechten Faust zu, daß also, wenn das Glücke kompt, beydes Faust und Rappier zugleich für deinen Füssen liegt, wann er es nicht anders haben will, für dem Mann.

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SIehestu, daß einer mit einem Flegel bey der Nacht zu dir kompt, und will nach dir schlagen: Wie es denn bißweilen auff den Academiis der gebrauch ist, wenn man von Tisch gehet und von der Wacht angegriffen wird, wenn oft einer zuvor bey der Wache gethan hat, und ein anderer kompt der da muß entgelten, was andere angerichtet haben: so schlage du den Manttel uber den lincken Arm, und unerlauffe ihm den Flegel mit ganzer gewalt, daß derjenige, so da schlagen will, uberhinschlegt, Bistu aber eines machtig, so reisse du ihm den Flegel aus seiner Handt, zu Beschützung deines Leibes und Lebens.

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SIhestu, daß einer in diesen Stücken ihn mit ganzer gewalt auff dich will zurennen, so habe du fleissig achtung auff die Person, kommet er in vollem rennen auff dich zu, so verfalle du mit deiner Klingen darnieder auff die Erden, daß er so er uber dich hinweg rennt, und erhebe dich alsbaldt mit der Spitzen im fallen in die höhe, daß er also selbst in die Klingen laufft, und kanstu ihn also durchstoßen, oder daß er sich selbsten durchlafft, das ist einem jeden sein Tranckgelt vor sein Einlauffen, wenn er es nicht wol gelernet hat.

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LIegestu wider hinden an seiner klingen, so gehe auch durch und eben im durchgehen vornen lasse du die Spitzen fallen, stosse ihm nach seinem Leibe hinein, und trett die drey wol mit. Oder: Sihestu, daß einer mit ganzer Gewalt under deiner Klingen will tieffe nach deinem Underleibe stossen, so habe gut Achtung auff seinen Stoß, und eben in seinem stossen, trette du hindersich auff die quinta, und stosse mit ausgestrecktem Arm nach seiner Gurgell zu, daß die Spitzen nicht hoch under den Kopff kompt, sondern gerade nach seinem Gesicht zu, so büsset er jede Zeit ein. Nota: Die Läger im Dolch und Rappier zu fechten, sindt vier Principal und vier Gegenläger. Das erste ist wenn mann den Arm höher helt, als die Achsel: Dieses Lagers Gegenlager ist, wann man Dolch und Rappier auff der lincken Seitten helt. Das ander Lager ist, wann man den Arm der Achsel gleich helt: Dieses Gegenlager ist dem ersten gleich. Das dritte Lager ist, wann man den Arm ein wenig für das Knie herauß helt: Dieses Gegenlager ist, wann man außerhalb des Gegentheils Spitze trit. Das vierte Lager ist, wenn Dolch und Rappier auff die lincke Sei-

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ten gehalten wirdt: Dieses Gegenlager ist, so man auff die seiten springt da Gegentheil sein Dolchen hat. Deß Manns rechte Seiten ist zum anfallen: Die lincke aber zu vertheidigen nutzlich.

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WAnn dein Gegentheil den Dolch nahe bey dem Rappier helt, soltu ihm einen Stich uber den Dolch geben, es geschehe, gleich wie es woll. Du kanst ihme auch eine 3. geben, und sein Rappier mit einem Dolch deimpffen, es geschehe mit steiffem Fuß oder mit Passiren. Item du kanst ihm eine 3. geben uber seinem Rappier, und mit deiner Rappierstärcke seine Schwäche aufnemmen, mit dem lincken Fuß zugleich fortretten mit hülffe deines Dolches. Item, du kanst ihm auch zwischen Dolch und Rappier eine Blösse machen, damit er dem Dolch zu erscheinen verursachet werde, thut er das, so sehe dich inwendig under dem Dolch für, und mit dem lincken Fuß nach seiner rechten seiten tringen, daß du seiner Klingen mit deinem Dolch mechtig werdest. Nota: Wann zween, so da geschwindt in den Wehren sind abgericht, zusamen gerahten, daß einer den andern mit Ernst meinet, will auch keiner dem andern im Zorn etwas nachgeben: so sie beyde in volkommenen stossen und einlauffen sindt, offtermal sich begibt, daß ihrer zween vor der Klingen liegen, und auff dem Platze bleiben beysamen alle beyde. Darumb rathsam man gebrauch meine Tritte, und neme dieselben woll wahr.

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WAnn du siehest, daß einer in den Stucken deß Rappiers mit ganzer Gewalt auff dich will zurennen, so habe du ja fleissig achtung auff dein Gegentheil, kompt er mit vollem rennen auff dich zu, so verfall du mit dem Rappier darnieder zur Erden gebogen, daß er so uber dich weg renne, und erheben sich als baldt mit der Spitzen im fallen in die höhe, daß er selber also in die Klinge lauffe, oder kanstu ihn durch und durch stossen.

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WAnn dein Gegentheil von seiner rechten gegen deiner lincken von oben her hawet, so versetze ihm sein Stich, in dem versetzen, under dens hawe oder stich behendt von deiner rechten oberzwerch gegen seiner lincken zun Füssen durch, also daß du nach vollendung deß Stichs dein Rappier under deinem lincken Arm habest, in dem hawe behendt, weil du dein Dolchen noch in der Höhe führest, von deiner lincken schlims uber ort, hoch oder nieder, nach dem sich Gegentheil entblösset, durch sein rechte Seiten.

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WAnn einer im zufechten sein beyde Wehren in starcker Versatzung vor ihm herführet, so hawe eilends ein starcken Oberhaw gegen seiner lincken Achsel, welchem Gegentheil mit seinem Dolch entgegen auffahren und versetzen wirdt, laß in dem dein Haw nicht antreffen, sondern zucke dein Wehr in dem herab fahren zu dir, stich ihme under demselben zum Leib, weil er noch mit seinem Dolchen zuversetzen auff fehret.

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WAnn du sihest, daß einer mit dem lincken Fuß vorstehet, so suche den Vortheil nach seiner lincken seiten, wenn du nach derselben trittest, so gedencke, daß du mit dem lincken Fuß voltigierest, dein Rappier in tertia und den Dolch nahe darbei halten, unnd mit unbewegtem Fusse under den lincken Arm stössest. Da dein Widerpart den Dolch ein wenig nidriger helt als sein Rappier, so halte den Dolch und Rappier nahe beysamen nach seiner lincken Achseln zustossen, und seinen Widerstoß ebener massen gewertig sein. Oder: Wiltu einen Stoß thun, so lege dich in secunda, halte auch deinen Dolch nahe bey dem Rappier, damit du seiner Vortheil desto besser erwartest.
Item: Im zufechten mit deinem Rappier, stelle dich in die lincke Underhut, auch führe dein Dolchen zur lincken seiten hinder dir, sticht gegentheil gegen deinem Gesicht her, so fahre mit langer Schneidt und außgestrecktem Arm ubersich gegen seiner Klingen, alsbaldt du ihm sein Rappier auffahest, so fahre mit deinem Dolchen underhalb seiner und deiner Klingen durch, reisse im mit demselben sein Rappier von deiner rechten gegen dei-

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ner lincken starck auß, stich ihme in dem außreissen von oben gegen seinem Gesicht, vollbringe ihn aber nicht, sondern zucke denselben eylends wider an dich, stich ime dann erst vollkommen geschwindt und starck inwendig zwischen sein beyden Wehren zu dem Leib hinein.

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SO du dein Gegentheil im zufechten in der Eisenporten findest, trawe ihm ein Stich auß der lincken Oberhut mit außtretten aussen uber seinem rechten Arm gegen seinem Gesicht zustechen, doch halte dein Gefäß hoch, wenn er nun mit seinem Gefäß gegen seiner rechten auffehret, dein Stich abzuwenden auffehret, laß dann dein vordern Ort neben seiner rechten Achseln undersich sincken, unnd fahr mit demselben Ort under seinen rechten durchsich dann erst recht vollkommen, innwendig seines rechten Arms von unden auff zur Gurgel, also daß in hinderführung deines Stichs, die lange Schneidt undersich, die kurtze ubersich stehe, unnd dein klinge nach vollbrachtem Stich in langen Ort hoch habest.

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Mein Bruder thue fechten lang,
Daß es zwischen uns geb kein Zanck.
Auch im Rappier nicht lauffe ein,
Wiltu vor Schaden gewarnet seyn:
Oder mit werfen und ringen,
Sonst wirdts dir ubel gelingen,
Drumb thue ich dirs zuvor sagen,
So was böß gschicht, thues nicht klagen.
Hab nun letztlich dieß zum Tranckgelt,
Hinfür komm wider, wann dirs gfellt.
Will ich dirs noch besser machen,
Wo du nicht wahr nimpst deine Sachen.