Stand: 04.04.2004
- Deutsche Fechtbücher
- Bibliographie
- Transkriptionen
- Fechtbücher
im WWW |
|
71
WIltu
dich mit einem scharpff im Dolchen und Rappier balgen oder fechten, so
gebe du gut achtung auf den ersten Stoß mit dem Dolchen,
daß er sich verstoßen hat und liege mit deiner
Klingen sampt der sterke vor dem Mann, und stosse baldt hernach,
biß daß du siehest, daß du mit der
verführung ihm könnest abbrechen, und mit der
Geschwindigkeit ihme aslbaldt nachstossen.

|
|
72
WIll
einer auff dich zurennen mitten, so trette du nur gleich mit den Beinen
für den Mann, Sihestu, daß er tief nach deinem Leib
stossen will, so schlage ihm seinen Stoß aus, oder hinweg,
und trette mit dem rechten Schenkel auff die prima, und renne nach
seinem ganzen Leibe, und brauche du den Triangel und Circkel in den
trütten, wie anfangs gelehret, so wirstu jeder zeit
spüren, das sie recht und gut sindt.

|
|
|
73
WIltu
mit einem in zweien Rappieren fechten, oder wann einer solches an
deinem Leib brauchen will, so liege du ihme mit der Spitzen recht im
Gesichte, unnd trette nicht zu weit mit dem rechten Fuß sampt
der Klinge hinauß für den Mann, und daß
dein Spitze nicht zu hoch uber seinem Haupt liege, sondern ein wenig
under dem Gesichte, und das andere Rappier in der lincken Handt soll
nur zu den Versatzungen dienen, oder gebraucht werden, Es were dann
daß du lincks und rechts werest in beyden Fäusten,
im stoßen zugleich, so kann man einen recht woll in der
Klingen angreiffen. Sihest du aber, daß er frisch von sich
hinweg stöst, so neme oder versetze du seinen stoß
woll, und stosse geschwindt wider hernacher auff in: Wiltu aber nach
ihme hawen, so kanstu er auch thun, dann es ist ein gut Ding, wer hawen
und stossen zugleich wol brauchen kann, man kann manchen guten Gesellen
dardurch verderben, dann da muß einer den andern treffen mit
der List, dann mit der List und Geschwindigkeit ubertrifft einer den
andern weit, die List aber deß Rappiers kann niemandt nicht
außdencken, er sey gleich wer er wölle, oder auch in
diesen meinen
|
|
74
stücken ist das
aller beste jetzo in dieser Welt Hawen, Stossen, Einlauffen,
Verführung, ist alles gut für den Feindte, Es ist
auch so ein ding, daß zwey Rappier allhier in Teutschlandt
nicht wol gebraucht werden, sondern man hat mit einem genugsam zu thun,
darinn man gelernet hat.

|
|
|
75
WIlstu
im balgen einen verkürzen, sonderlich wann der Stoß
ist außgenommen, und er will hoch nach deinem Gesichte, oder
nach deinem Haupt zuhawen, so gebe du fleissig achtung auff seinen
Leib, aber im hoch hawen nach dem Gesichte, haw du mit ihm zugleich,
nach seiner rechten Faust zu, daß also, wenn das
Glücke kompt, beydes Faust und Rappier zugleich für
deinen Füssen liegt, wann er es nicht anders haben will,
für dem Mann.

|
|
76
SIehestu,
daß einer mit einem Flegel bey der Nacht zu dir kompt, und
will nach dir schlagen: Wie es denn bißweilen auff den Academiis der
gebrauch ist, wenn man von Tisch gehet und von der Wacht angegriffen
wird, wenn oft einer zuvor bey der Wache gethan hat, und ein anderer
kompt der da muß entgelten, was andere angerichtet haben: so
schlage du den Manttel uber den lincken Arm, und unerlauffe ihm den
Flegel mit ganzer gewalt, daß derjenige, so da schlagen will,
uberhinschlegt, Bistu aber eines machtig, so reisse du ihm den Flegel
aus seiner Handt, zu Beschützung deines Leibes und Lebens.

|
|
|
77
SIhestu,
daß einer in diesen Stücken ihn mit ganzer gewalt
auff dich will zurennen, so habe du fleissig achtung auff die Person,
kommet er in vollem rennen auff dich zu, so verfalle du mit deiner
Klingen darnieder auff die Erden, daß er so er uber dich
hinweg rennt, und erhebe dich alsbaldt mit der Spitzen im fallen in die
höhe, daß er also selbst in die Klingen laufft, und
kanstu ihn also durchstoßen, oder daß er sich
selbsten durchlafft, das ist einem jeden sein Tranckgelt vor sein
Einlauffen, wenn er es nicht wol gelernet hat.

|
|
78
LIegestu
wider hinden an seiner klingen, so gehe auch durch und eben im
durchgehen vornen lasse du die Spitzen fallen, stosse ihm nach seinem
Leibe hinein, und trett die drey wol mit. Oder: Sihestu, daß
einer mit ganzer Gewalt under deiner Klingen will tieffe nach deinem
Underleibe stossen, so habe gut Achtung auff seinen Stoß, und
eben in seinem stossen, trette du hindersich auff die quinta, und
stosse mit ausgestrecktem Arm nach seiner Gurgell zu, daß die
Spitzen nicht hoch under den Kopff kompt, sondern gerade nach seinem
Gesicht zu, so büsset er jede Zeit ein. Nota: Die
Läger im Dolch und Rappier zu fechten, sindt vier Principal
und vier Gegenläger. Das erste ist wenn mann den Arm
höher helt, als die Achsel: Dieses Lagers Gegenlager ist, wann
man Dolch und Rappier auff der lincken Seitten helt. Das ander Lager
ist, wann man den Arm der Achsel gleich helt: Dieses Gegenlager ist dem
ersten gleich. Das dritte Lager ist, wann man den Arm ein wenig
für das Knie herauß helt: Dieses Gegenlager ist,
wann man außerhalb des Gegentheils Spitze trit. Das vierte
Lager ist, wenn Dolch und Rappier auff die lincke Sei-
|
|
|
79
ten gehalten wirdt: Dieses
Gegenlager ist, so man auff die seiten springt da Gegentheil sein
Dolchen hat. Deß Manns rechte Seiten ist zum anfallen: Die
lincke aber zu vertheidigen nutzlich.

|
|
80
WAnn
dein Gegentheil den Dolch nahe bey dem Rappier helt, soltu ihm einen
Stich uber den Dolch geben, es geschehe, gleich wie es woll. Du kanst
ihme auch eine 3. geben, und sein Rappier mit einem Dolch deimpffen, es
geschehe mit steiffem Fuß oder mit Passiren. Item du kanst
ihm eine 3. geben uber seinem Rappier, und mit deiner
Rappierstärcke seine Schwäche aufnemmen, mit dem
lincken Fuß zugleich fortretten mit hülffe deines
Dolches. Item, du kanst ihm auch zwischen Dolch und Rappier eine
Blösse machen, damit er dem Dolch zu erscheinen verursachet
werde, thut er das, so sehe dich inwendig under dem Dolch für,
und mit dem lincken Fuß nach seiner rechten seiten tringen,
daß du seiner Klingen mit deinem Dolch mechtig werdest. Nota: Wann
zween, so da geschwindt in den Wehren sind abgericht, zusamen gerahten,
daß einer den andern mit Ernst meinet, will auch keiner dem
andern im Zorn etwas nachgeben: so sie beyde in volkommenen stossen und
einlauffen sindt, offtermal sich begibt, daß ihrer zween vor
der Klingen liegen, und auff dem Platze bleiben beysamen alle beyde.
Darumb rathsam man gebrauch meine Tritte, und neme dieselben woll wahr.

|
|
|
81
WAnn
du siehest, daß einer in den Stucken deß Rappiers
mit ganzer Gewalt auff dich will zurennen, so habe du ja fleissig
achtung auff dein Gegentheil, kompt er mit vollem rennen auff dich zu,
so verfall du mit dem Rappier darnieder zur Erden gebogen,
daß er so uber dich weg renne, und erheben sich als baldt mit
der Spitzen im fallen in die höhe, daß er selber
also in die Klinge lauffe, oder kanstu ihn durch und durch stossen.

|
|
82
WAnn
dein Gegentheil von seiner rechten gegen deiner lincken von oben her
hawet, so versetze ihm sein Stich, in dem versetzen, under dens hawe
oder stich behendt von deiner rechten oberzwerch gegen seiner lincken
zun Füssen durch, also daß du nach vollendung
deß Stichs dein Rappier under deinem lincken Arm habest, in
dem hawe behendt, weil du dein Dolchen noch in der Höhe
führest, von deiner lincken schlims uber ort, hoch oder
nieder, nach dem sich Gegentheil entblösset, durch sein rechte
Seiten.

|
|
|
83
WAnn
einer im zufechten sein beyde Wehren in starcker Versatzung vor ihm
herführet, so hawe eilends ein starcken Oberhaw gegen seiner
lincken Achsel, welchem Gegentheil mit seinem Dolch entgegen auffahren
und versetzen wirdt, laß in dem dein Haw nicht antreffen,
sondern zucke dein Wehr in dem herab fahren zu dir, stich ihme under
demselben zum Leib, weil er noch mit seinem Dolchen zuversetzen auff
fehret.

|
|
84
WAnn
du sihest, daß einer mit dem lincken Fuß vorstehet,
so suche den Vortheil nach seiner lincken seiten, wenn du nach
derselben trittest, so gedencke, daß du mit dem lincken
Fuß voltigierest, dein Rappier in tertia und den Dolch nahe
darbei halten, unnd mit unbewegtem Fusse under den lincken Arm
stössest. Da dein Widerpart den Dolch ein wenig nidriger helt
als sein Rappier, so halte den Dolch und Rappier nahe beysamen nach
seiner lincken Achseln zustossen, und seinen Widerstoß ebener
massen gewertig sein. Oder: Wiltu einen Stoß thun, so lege
dich in secunda,
halte auch deinen Dolch nahe bey dem Rappier, damit du seiner Vortheil
desto besser erwartest.
Item: Im zufechten mit deinem Rappier, stelle dich in die lincke
Underhut, auch führe dein Dolchen zur lincken seiten hinder
dir, sticht gegentheil gegen deinem Gesicht her, so fahre mit langer
Schneidt und außgestrecktem Arm ubersich gegen seiner
Klingen, alsbaldt du ihm sein Rappier auffahest, so fahre mit deinem
Dolchen underhalb seiner und deiner Klingen durch, reisse im mit
demselben sein Rappier von deiner rechten gegen dei-
|
|
|
85
ner lincken starck
auß, stich ihme in dem außreissen von oben gegen
seinem Gesicht, vollbringe ihn aber nicht, sondern zucke denselben
eylends wider an dich, stich ime dann erst vollkommen geschwindt und
starck inwendig zwischen sein beyden Wehren zu dem Leib hinein.

|
|
86
SO
du dein Gegentheil im zufechten in der Eisenporten findest, trawe ihm
ein Stich auß der lincken Oberhut mit außtretten
aussen uber seinem rechten Arm gegen seinem Gesicht zustechen, doch
halte dein Gefäß hoch, wenn er nun mit seinem
Gefäß gegen seiner rechten auffehret, dein Stich
abzuwenden auffehret, laß dann dein vordern Ort neben seiner
rechten Achseln undersich sincken, unnd fahr mit demselben Ort under
seinen rechten durchsich dann erst recht vollkommen, innwendig seines
rechten Arms von unden auff zur Gurgel, also daß in
hinderführung deines Stichs, die lange Schneidt undersich, die
kurtze ubersich stehe, unnd dein klinge nach vollbrachtem Stich in
langen Ort hoch habest.

|
|
|
87
Mein
Bruder thue fechten lang,
Daß es zwischen uns geb kein Zanck.
Auch im Rappier nicht lauffe ein,
Wiltu vor Schaden gewarnet seyn:
Oder mit werfen und ringen,
Sonst wirdts dir ubel gelingen,
Drumb thue ich dirs zuvor sagen,
So was böß gschicht, thues nicht klagen.
Hab nun letztlich dieß zum Tranckgelt,
Hinfür komm wider, wann dirs gfellt.
Will ich dirs noch besser machen,
Wo du nicht wahr nimpst deine Sachen.

|
|