Historisches Fechten

Bei europäischem historischen Fechten denkt jeder an etwas anderes: Ritter in strahlender Rüstung mit Langschwert und Schild, ein stürmendes Schottenheer mit imposanten Breitschwertern, säbelrasselnde Piraten in der Karibik oder vielleicht die Armeen von Napoleon und Wellington, die sich bei Waterloo gegenüberstehen.

Die Faszination von Duellen, Schlachten und klingenschwingenden Helden ist heute so lebendig wie eh und je, und auch Fantasy-Blockbuster haben ihren Teil dazu beigetragen, dass das Ausüben von historischen Kampfkünsten als Hobby im letzten Jahrzehnt deutlich an Popularität gewonnen hat.

Allerdings ist die allgemeine Vorstellung vom historischen Fechten durch die häufig klischeebehaftete und idealisierte Darstellung in den Medien eher romantisch als realistisch geprägt, was sich auch auf die Erwartungen an das Training auswirkt. Bühnenfechten, mittelalterlichen Schaukampf oder auch Liverollenspiel widmen sich zum Beispiel häufig mehr einer effektvollen Darstellung als den historisch-authentischen Techniken. Genau da liegt aber unser Hauptinteresse.

 

Wir haben uns auf den Säbel des 18. und 19. Jahrhunderts spezialisiert und haben dabei den Anspruch, dem historischen Fechten so nahe zu kommen wie möglich. Davon ausgehend dass die besten Quellen zur Kampfkunst einer bestimmten Epoche die Fechtbücher zeitgenössischer Meister sind, orientieren wir uns an schriftlichen Originalquellen der entsprechenden Zeit - vornehmlich an Alfred Hutton's "Cold Steel" und dem Taylor/Roworth zugeschriebenen "The Art of Defence".  

 

Bei uns geht es darum, den Inhalt der historischen Quellen zu verstehen und das Geschriebene durch Interpretation in Bewegung umzusetzen. Entscheidend ist, ob das Ergebnis plausibel und im freien Gefecht umsetzbar ist - erst dann werden die Techniken unter Berücksichtigung moderner didaktischer und sportwissenschaftlicher Erkenntnisse im Rahmen des Trainings vermittelt und verfeinert.

Auch dann ist das Training allerdings nicht in Stein gemeißelt, sondern verändert sich durch neue Erkenntnisse. Grund dafür ist die Schwierigkeit bei der Interpretation historischer Quellen: Unterschiedliche Fechtbücher benutzen zum Teil unterschiedliche Begrifflichkeiten, und zum Teil stolpert der moderne Leser über Worte, die zum Zeitpunkt der Publikation Allgemeinwissen waren und dementsprechend vom Verfasser nicht weiter erklärt werden. Es ist daher notwendig, unsere Interpretationen immer wieder zu hinterfragen.